Betreff: [aktuelles@adfc-bo.de] Immer größere motorische Defizite bei Kindern. Was tut Bochum? Nichts!
Von: "Klaus Kuliga" <kkuliga@arcor.de>
Datum: 09.10.2009 17:14
An: aktuelles@adfc-bo.de


Hallo liebe Freunde des Radfahrens in Bochum.
Am 24. September hatte ich über das Büro für Bürgerbeteiligung und an die
Parteien im Rat einige Fragen an die Stadt Bochum gestellt. Jetzt habe ich über das Bürgerbüro die Antwort der Verwaltung erhalten.
Thema waren die besorgniserregenden Ergebnisse einer Untersuchung an
Grundschulkindern.
Folgendes hatte ich an das Büro für Bürgerbeteiligung und die Fraktionen
geschrieben:

    Die aktuelle Motorik-Studie der Unfallforschung der Versicherer
(UDV) zeigt:
    Viele Kinder, vor allem im großstädtischen Bereich, haben im
Vergleich zum Jahr 1997 deutliche psychomotorische Schwächen. Das wird bei
der Fahrradausbildung sichtbar, die nahezu alle Grundschüler in der 3. oder
4. Klasse absolvieren.
    Dabei fallen vor allem Stadtkinder, Mädchen mit
Migrationshintergrund, übergewichtige und überbehütete Kinder auf.
    Um den Teufelskreis „Fehlende Bewegung – mehr Unsicherheit – weniger
Fahrradpraxis – weniger Bewegung“ zu durchbrechen, müssten Schulen, Eltern
und Lehrer gezielt Bewegungsdefizite erkennen und bekämpfen. Sicheres
Radfahren ist das A und O für eine spätere sichere Teilnahme am
Straßenverkehr.
    Für viele Kinder hat die eigenständige Mobilität in den vergangenen
Jahren abgenommen. Sie werden vermehrt mit dem Auto zur Schule gefahren oder
müssen in ländlichen Gebieten schon früh mit dem Bus zur Schule fahren.
Dennoch bleibt das Fahrrad ein wichtiger Garant für eigenständige Mobilität.


    „Stubenhockern“ fehlt aber oft die Praxis und das macht das
gelegentliche Radfahren dann umso gefährlicher.
    Was muss getan werden?     • Kinder brauchen viel Bewegung. Diese kann zu Hause, in der Schule
und im Sportverein gefördert werden.
    • Grundschulen müssen den Raum und die Zeit bieten,
Mobilitätsdefizite von Kindern zu erkennen und auszugleichen.
    • Während der Fahrradausbildung sollte es genug Zeit für
Einzelförderung und Nachschulungen geben.
    • Für den sicheren Schulweg mit dem Fahrrad ab der Klasse 5 sollten
Schulwegpläne erstellt und ernst genommen werden.

    Der ADFC Bochum fragt:
    1. Fördert die Stadt Bochum aktiv das Rad fahren auf dem Schulweg?
    2. Werden an allen weiterführenden Schulen Schulwegpläne für
Radfahrer erstellt?
    3. Stellt die Stadt Bochum durch eine enge Kooperation zwischen
Schulen und Verwaltung sicher, dass auf allen wichtigen Schulwegen
vorbildliche Radverkehrsanlagen vorhanden sind und eventuelle Mängel
umgehend beseitigt werden?

Die Antwort der Stadt Bochum (siehe auch Anhang) zeigt im Wesentlichen: Das
Problem interessiert dort nicht.
Frage: Fördert die Stadt Bochum aktiv das Radfahren auf dem Schulweg?
Was tut Bochum: Das Problem wird auf die Radfahrausbildung in den
Grundschulen verschoben und damit auf die Schultern der Kindern, die sich
gefälligst in einer fahrradfeindlichen Umgebung ordnungsgemäß verhalten
sollen. Kein Wort, kein Gedanke daran, dass die Wege zur Schule als
Einladung zum Radfahren gestaltet werden müssen. Das ist aber die Aufgabe!
Es gibt keine richtigen Radfahrer in der falschen Verkehrsumgebung.
    
Frage: Werden an allen weiterführenden Schulen Schulwegpläne für Radfahrer
erstellt?
Was tut Bochum: Nichts! Wo kämen wir denn hin, wenn die Stadt Bochum
anfangen würde, das Radfahren auf dem Schulweg zu fördern? Wovor haben
Politik und Verwaltung Angst? Sie haben offensichtlich Angst vor gesunden
und sportlichen Kindern!
Frage: Stellt die Stadt Bochum durch eine enge Kooperation zwischen Schulen
und Verwaltung sicher, dass auf allen wichtigen Schulwegen vorbildliche
Radverkehrsanlagen vorhanden sind und evtl. Mängel umgehend beseitigt
werden?
Was tut Bochum: Nichts! Die Sorge beschränkt sich auf Flickschusterei an
untauglichen Radwegen. Die denken nicht einmal daran, alle wichtigen
Schulwege mit vorbildlichen Radverkehrsanlagen auszustatten! „Evtl. Mängel
werden im Rahmen der finanziellen, rechtlichen und tatsächlichen
Möglichkeiten zeitnah bzw. mittelfristig … beseitigt.“ Das ist der blanke
Hohn angesichts der tatsächlichen Verhältnisse! Radwege, die laut StVO
benutzungspflichtig sein können, muss man in Schulnähe mit der Lupe suchen.

Übrigens: Von Seiten der Politik gibt es bis jetzt gar keine Antwort.
Hoch lebe das fahrradfeindliche Bochum!

Mit freundlichen Grüßen
Klaus Kuliga
2. Vorsitzender ADFC Bochum e.V.

Kuliga@adfc-bo.de
(0234) 33 74 13