Betreff: [aktuelles@adfc-bo.de] Verkehrsschau: Königsallee in Zukunft ohne (Pflicht-) Radwege
Von: "Klaus Kuliga" <kkuliga@arcor.de>
Datum: 29.10.2009 18:18
An: aktuelles@adfc-bo.de

Hallo liebe Freunde des Radfahrens in Bochum!
Heute hat der erste Teil der diesjährigen Verkehrsschau auf der Königsallee
stattgefunden.

Die Verwaltungsvorschriften zur Straßenverkehrsordnung sagen:
Die Straßenverkehrsbehörden haben bei jeder Gelegenheit die Voraussetzungen
für einen reibungslosen
Ablauf des Verkehrs zu prüfen. Dabei haben sie besonders darauf zu achten,
dass die Verkehrszeichen und
die Verkehrseinrichtungen, auch bei Dunkelheit, gut sichtbar sind und sich
in gutem Zustand befinden, dass
die Sicht an Kreuzungen, Bahnübergängen und Kurven ausreicht und ob sie sich
noch verbessern lässt.
Alle zwei Jahre haben die Straßenverkehrsbehörden zu diesem Zweck eine
umfassende
Verkehrsschau vorzunehmen, auf Straßen von erheblicher Verkehrsbedeutung und
überall dort,
wo nicht selten Unfälle vorkommen, alljährlich, erforderlichenfalls auch bei
Nacht.

Daneben gilt für Radwege im Besonderen:
Die Straßenverkehrsbehörde, die Straßenbaubehörde sowie die Polizei sind
gehalten, bei
jeder sich bietenden Gelegenheit die Radverkehrsanlagen auf ihre
Zweckmäßigkeit hin zu
prüfen und den Zustand der Sonderwege zu überwachen. Erforderlichenfalls
sind von der
Straßenverkehrsbehörde sowie der Polizei bauliche Maßnahmen bei der
Straßenbaubehörde
Anzuregen.

Die Straßenverkehrsbehörde von Bochum hat sich wegen der Neufassung der StVO
zum 1.Spetember 2009 entschieden,
die ohnehin geplante Verkehrsschau vor allem zu einer genauen Prüfung der
Radverkehrsanlagen auf den Radialstraßen zu nutzen.
Erstmals in der Geschichte der Stadt hat deshalb eine Verkehrsschau per Rad
stattgefunden  eine Idee des ADFC Bochum und dazu eine sehr gute Idee, wie
selbst die skeptischsten Teilnehmer aus der Verwaltung im Nachhinein
einräumen mussten.
Heute wurde  gleichsam als Paukenschlag zum Auftakt  die Königsallee
eingehend besichtigt.
Das Ergebnis kann man kurz zusammenfassen: Die Radwege an der Viktoriastraße
und der Königsallee sind in einem derartig katastrophalen Zustand, dass von
der Benutzungspflicht dieser Radwege zwischen Wasserstraße und Südring
nichts mehr übrig bleibt.
In Kürze wird jeder Radfahrer selbst entscheiden können, ob er sein Leben
weiterhin auf solchen Radwegen aufs Spiel setzen will oder sicherheitshalber
besser auf der Fahrbahn fährt. Benutzungspflichtig bleiben nur die Radwege
südlich der Wasserstraße, wobei die Zuständigkeit der Stadt Bochum ohnehin
an der Wohlfahrtstraße, kurz vor dem Sheffieldring endet.
Endlich - nach mehr als zwanzig Jahren!  hat die Stadt Bochum auch erkannt,
dass Radfahrer nicht in der Lage sind, durch massive Masten, die mitten auf
dem Radweg stehen, hindurch zu fahren. Gestandene Fachleute der Verwaltung
waren erstaunt und konsterniert angesichts der Tatsache, dass solche
Ungeheuerlichkeiten mehr als zwanzig Jahre einfach ignoriert wurden. Nur der
ADFC Bochum war darüber empört  zwanzig lange Jahre lang, ungehört.
Geplant ist jetzt, den stadteinwärts führenden Radweg bereits vor der
Wasserstraße ordnungsgemäß als Radfahrstreifen auf die Fahrbahn zu leiten.
An der Kreuzung mit der Wasserstraße endet dieser Radfahrstreifen und die
Benutzung der Fahrbahn ist der Regelfall. Angesichts der offensichtlichen
Gefahr soll diese Umgestaltung so schnell wie möglich realisiert werden. Nur
so kann der Mast auf dem Radweg umfahren werden.

Von den ehemals benutzungspflichtigen Radwegen sollen so viele wie möglich
weiterhin als andere Radwege zur Benutzung angeboten werden. Das ist ein
hinnehmbarer Kompromiss, nicht mehr. Dringend erforderlich und seit zwanzig
Jahren überfällig ist die vollständige Neugestaltung der Königsallee als
fahrradfreundliche Straße. Nicht zuletzt gibt es zwei Schulen in diesem
Bereich! Die Pflicht ruft in Gestalt der Straßenverkehrsordnung. Die gilt
sogar für die Stadt Bochum als Verkehrsträger, nicht nur für die
leidgeprüften Radfahrer.
Die Verkehrsschau auf der Königsallee hat im Wesentlichen gezeigt, wie sehr
die Stadt Bochum in den letzten Jahrzehnten ihre selbstverständlichen  - und
gesetzlichen!  Pflichten gegenüber den radfahrenden Bürgern dieser Stadt
vernachlässigt hat.
Mit den im Rahmen der Verkehrsschau verabredeten Maßnahmen werden die
schlimmsten Widersprüche zur Straßenverkehrsordnung abgestellt, mehr nicht. Die eigentliche Aufgabe ist damit erst in den Blick genommen.

Im Schwarzbuch Radverkehr hat der ADFC Bochum im März 2008 festgestellt: Wie diese Beispiele zeigen, endet das Menschenrecht auf Leben und
körperliche Unversehrtheit, wenn man ein Fahrrad besteigt. Für die beiden großen Parteien sind Radfahrer nicht mehr als Dreck auf der
Straße.
Das waren deutliche Worte, die bei der Politik helle Empörung und bei den
Radfahrern viel Beifall ausgelöst haben. Die Verkehrsschau auf der
Königsallee hat diese traurige Einschätzung voll bestätigt. Die Verwaltung
bemüht sich redlich, den Schaden zu begrenzen. Beseitigen kann sie ihn
nicht.
Die Politik ist verantwortlich.
Die Verkehrschau wird auf der Hattinger Straße fortgesetzt - auch am zweiten
Tag per Rad. Das Ergebnis wird ncht beser sein als auf der Königsallee.

Mit freundlichen Grüßen
Klaus Kuliga
2. Vorsitzender ADFC Bochum e.V.

Kuliga@adfc-bo.de
(0234) 33 74 13