Betreff: [aktuelles@adfc-bo.de] Verkehrsschau Teil 2: Aufhebung der Radwege-Benutzungspflicht auf der Hattinger Straße
Von: "Klaus Kuliga" <kkuliga@arcor.de>
Datum: 02.11.2009 18:38
An: aktuelles@adfc-bo.de

Hallo liebe Freunde des Radfahrens in Bochum!
Heute, Montag 2.11.2009,  hat der zweite Teil der diesjährigen Verkehrsschau
stattgefunden, diesmal auf der Hattinger Straße.
Nach dem Vorbild des sehr gut verlaufenen ersten Tages wurde auch die
Hattinger Straße per Rad in Angriff genommen. Es war wegen der Fülle der
Probleme auch wieder genau so zeitintensiv und anstrengend.

Die Hattinger Straße gehört zum Radverkehrsnetz NRW und ist deshalb
innerhalb des Bochumer Verkehrsnetzes von herausragender Bedeutung für den
Radverkehr, nicht nur für Bochum, sondern eben auch überregional.
Trotzdem hat diese Straße über weite Strecken gar keine Radverkehrsanlagen
und an anderen wichtigen Stellen nur ungenügende, nicht verkehrssichere
Wege. Im Rahmen der Verkehrsschau konnten die grundlegenden Planungsfehler
der letzten Jahrzehnte nicht beseitigt werden. Zielvorgabe war nur, so weit
wie irgend möglich die Verkehrsgefährdung durch die ungenügenden Radwege
abzustellen.
Dieses Ziel wurde weitgehend erreicht, war aber teilweise selbst bei gutem
Willen einfach nicht umzusetzen. Hier würde nur eine grundlegende Neuplanung
der Straße helfen. Es ist also wieder einmal der politische Wille
entscheidend. Solange Bochum nicht fahrradfreundlich sein darf, besteht hier
wenig Hoffnung.
Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse (Irrtümer vorbehalten,
ich berichte nach dem Gedächtnis, das heute wieder stark gefordert war):

Stadtauswärts:
Zwischen Königsallee und Knoopstraße gibt es gar keine Radwege. Das ist
normal für eine fahrradfeindliche Stadt. Aber für eine Straße, die zum
Radverkehrsnetz NRW gehört, ist das ein katastrophaler Fehler, der sich im
Rahmen einer Verkehrsschau nicht beheben lässt. Wenn Bochum sich um die
Aufnahme in die AGFS bemühen will, muss klar sein, wann und wie das geändert
wird. Die Hattinger Straße muss von A-Z fahrradfreundlich sein. Die Politik
ist gefragt.

Zwischen Knoopstraße und Ortszentrum Weitmar und weiter bis zum Schlosspark
gibt es derzeit einen einseitigen Radweg, der als Zweirichtungs-Radweg
beschildert ist. Bis zur Elsa-Brandström-Straße kann dieser Radweg in
Fahrtrichtung rechts benutzungspflichtig bleiben (etwa 500 m Länge). (In Gegenrichtung als linker Radweg selbstverständlich nicht.)
Danach ist der Radweg so mangelhaft (und z.B. an Bushaltestellen gar nicht
erst vorhanden), dass eine Benutzungspflicht nicht angeordnet werden kann.
Der Radweg wird deshalb etwa in Höhe der Einmündung Knoopstraße in Form
eines Radfahrstreifens auf die Fahrbahn geführt.
Benutzungspflichtig wird der vorhandene Radweg erst wieder hinter der
Einmündung Wasserstraße. Dazwischen soll er möglichst als nicht
benutzungspflichtiger anderer Radweg erhalten bleiben. In Gegenrichtung entsteht ein merkwürdiges und daher wohl kaum auf Dauer
funktionstüchtiges Kuriosum: Der neben dem nicht benutzungspflichtigen
Radweg verlaufende Gehweg, der zum großen Teil keine ausreichende Breite
hat, soll trotzdem in Gegenrichtung für Radfahrer freigegeben werden  der
Radweg wohlgemerkt nicht! Radfahrer in Gegenrichtung müssen sich also von
dem gepflasterten Radweg fernhalten und ganz links am Rand auf dem schmalen
Gehweg fahren  wenn sie nicht die Fahrbahn benutzen wollen, was die Regel
sein sollte.

Hinter der Einmündung Wasserstraße wird der Radweg wieder
benutzungspflichtig, bis etwa zur Einmündung Heinrich-König-Straße. Hier
wird eine neue Feuerwache gebaut und in diesem Zug auch der Radweg neu
gestaltet. In jedem Fall erfolgt am Radwegende anders als bis jetzt eine
sichere Überleitung auf die Fahrbahn. Damit ist ein schwerer
Sicherheitsmangel endlich abgestellt. Mittel- oder langfristig soll die
Hattinger Straße in dem folgenden Abschnitt bis zum Ortszentrum Linden
beidseitig Radfahrstreifen erhalten. Voraussetzung ist die Erneuerung der
Straßenbahngleise und die Entfernung des lärmenden Kopfsteinpflasters im
Gleisbereich.

Die Benutzungspflicht für den Radweg im Bereich vor und nach der Kreuzung
Munscheider Damm/Wuppertaler Straße entfällt. Radfahrstreifen sind in diesem
Bereich geplant bis zur Hasenwinkeler Straße. Zum direkten Linksabbiegen in
die Lindener Straße (RVN NRW!) soll eine Aufstellfläche in Fahrbahnmitte
realisiert werden  das wäre ein gewaltiger Fortschritt!

Im Bereich Ortszentrum Linden bleibt nichts übrig als den Radverkehr weiter
auf den vorhandenen Radwegen zu führen. Auf der Fahrbahn ist es wegen der
Straßenbahngleise einfach zu eng. Das gilt auch für den weiteren Verlauf
Richtung Hattingen, obwohl dort neben dem Radweg teilweise nur noch zehn (!)
Zentimeter Gehweg vorhanden sind! Hier hilft nur eine vollständige
Neuplanung. Wenigstens soll im Bereich der Kreuzung Dr. C. Otto-Straße die
Radwegführung etwas verbessert werden, um wenigstens den
Mindestanforderungen an eine sichere Radverkehrsführung näher zukommen. Auch
im Ortszentrum Linden hilft nur eine vollständige Neuplanung, z.B. als
Shared Space.

Gegenrichtung (stadteinwärts):
Von der Stadtgrenze Hattingen bis zum Ende des Ortszentrums Linden gilt
dasselbe wie in Gegenrichtung: Die Situation ist schlecht und entspricht
nicht den Vorgaben der StVO, aber kurzfristig kann man nichts machen. Warum
man unbedingt auf den ohnehin zu schmalen Gehweg auch noch jede Menge neue
Bäume pflanzen musste, bleibt ein Rätsel. Aber die Bäume sind da.

In Höhe des Fahrradgeschäfts Möller wird eine sichere Überleitung vom Radweg
auf die Fahrbahn per Radfahrstreifen hergestellt. Die Radfahrstreifen sollen
im Zuge der beschriebenen Gleiserneuerung bis vor die Kreuzung Munscheider
Damm/Wuppertaler Straße geführt werden. Über die Kreuzung wird der
vorhandene Radweg benutzt und der Radfahrer danach wiederum sicher auf die
Fahrbahn geleitet. Im Kreuzungsbereich sind ohne grundlegende Veränderungen
keine Radfahrstreifen möglich (Straßenbahngleise, Abbiegespuren und
Entscheidungsgewalt des Landes NRW).

Soweit im weiteren Verlauf bis zur Wasserstraße noch Radwege vorhanden sind,
entfällt dort die Benutzungspflicht, die Radwege sollen aber erhalten
bleiben. Hinter der Wasserstraße gibt es stadteinwärts rechts ohnehin keinen
Meter Radweg mehr und auch keine Radfahrstreifen. Das ist mangelhaft, aber
nur durch eine Neuplanung zu beheben.

Im Bereich Schlossstraße soll der in Fahrtrichtung Süd rechts gelegene
Gehweg für Radfahrer frei gegeben werden, um die Erreichbarkeit der
Heinrich-König-Straße zu verbessern.
Genau wie auf der Königsallee hat die Verkehrschau im Wesentlichen gezeigt,
wie sehr die Stadt Bochum in den letzten Jahrzehnten ihre
selbstverständlichen  - und gesetzlichen!  Pflichten gegenüber den
radfahrenden Bürgern dieser Stadt vernachlässigt hat. Mit den im Rahmen der Verkehrsschau verabredeten Maßnahmen werden die
schlimmsten Widersprüche zur Straßenverkehrsordnung abgestellt, mehr nicht.
Die eigentliche Aufgabe ist damit erst in den Blick genommen.

Die Politik ist in der Pflicht.


Mit freundlichen Grüßen
Klaus Kuliga
2. Vorsitzender ADFC Bochum e.V.

Kuliga@adfc-bo.de
(0234) 33 74 13