Betreff: [aktuelles@adfc-bo.de] Rad-Verkehrsschau Teil 3: Castroper Straße, Gersteinring bis Waldring, Wasserstraße, Kemnader Straße, Markstraße
Von: "Klaus Kuliga" <kkuliga@arcor.de>
Datum: 04.11.2009 17:54
An: aktuelles@adfc-bo.de

Hallo liebe Freunde des Radfahrens in Bochum!
Heute, Mittwoch 4.11.2009,  hat der dritte Teil der diesjährigen
Rad-Verkehrsschau stattgefunden. Auch der dritte Tag wurde  ohne weitere Diskussion!  per Rad in Angriff
genommen, obwohl die Temperaturen deutlich gesunken waren und auch noch
Regen drohte. 
Schon am Anfang zeigten sich deutlich die Grenzen des Machbaren: Die
Kreuzung Große Beckstraße  Nordring  Castroper Straße kann man nicht per
Verkehrsschau fahrradfreundlich gestalten. Für eine direkte
Radverkehrsverbindung zwischen Gr. Beckstraße und Castroper Straße gibt es
nur ganz wenig Spielraum und ohne Umbauten ist gar nichts zu machen.
Immerhin wurde der ernsthafte Versuch verabredet, die Grenzen des Möglichen
in einer neuen Planung neu auszuloten.
Bergauf soll die Castroper Straße überall da, wo es einfach umzusetzen ist,
Radfahrstreifen bekommen. Schwierig bleiben die Verhältnisse für Radfahrer
trotzdem. Es gibt Stellen, an denen man nicht mehr sicher Rad fahren kann,
wenn die halbe Fahrbahn zum Parken benutzt wird. Hier ist de politische
Wille gefragt, der Verkehrssicherheit aller Verkehrsteilnehmer Vorrang zu
geben vor dem Anspruch weniger auf bequemes kostenloses Parken auf der
Fahrbahn.

Im Bereich Stadion und Kreuzung Karl-Lange-Sraße entfällt die
Benutzungspflicht für die nicht verkehrssicheren Radwege.
Spannend und teilweise richtig kontrovers wurde es auf der Strecke
Gersteinring  Krümmede  Harpener Straße  Lohring  Steinring  Waldring. Wenigstens in Gegenrichtung entfällt die Benutzungspflicht auf den höchst
problematischen Radwegen in diesem Bereich. In Fahrtrichtung rechts soll die
Benutzungspflicht bleiben, aber wenigstens soll der Radweg endlich so
hergestellt werden, dass man in auch tatsächlich benutzen kann. Das hat die
Stadt Bochum zwar schon seit Jahren behauptet, ohne dass irgend etwas
passiert wäre, aber vielleicht gewinnt sie jetzt ein wenig Glaubwürdigkeit
zurück. Die Verhältnisse im Bereich Blumenfriedhof werden nach meiner
Einschätzung trotzdem absolut unbefriedigend, sogar verkehrsgefährdend
bleiben, aber mehr war nicht drin. Schließlich sind die Wege erst vor kurzer
Zeit mit hohem Aufwand neu gebaut worden.
Im Bereich Lohring und Steinring werden auch die letzten Reste
Radwegbenutzungspflicht abgeschafft. Wer einen nicht benutzungspflichtigen
Radweg benutzt, muss damit rechnen, am Ende sein Fahrrad gegebenenfalls über
eine Kreuzung schieben zu müssen. Ich bin damit nicht zufrieden.
Auf dem Zwei-Richtungs-Radweg entlang Steinring/Waldring zwischen
Oskar-Hoffmann-Straße und Querenburger Straße entfällt die Benutzungspflicht
in Gegenrichtung. Der Radweganfang wird verbessert, wenn irgend möglich,
wird die Litfaßsäule im Kreuzungsbereich entfernt, um einen sicheren
Radweganfang zu schaffen. In Gegenrichtung endet etwa am Kreisverkehr auch
das Benutzungsrecht.

Die Kreuzung Querenburger Straße / Steinring muss komplett überplant werden,
um Verkehrssicherheit zu erreichen.

Zwischen Querenburger Straße und Königsallee soll der Radweg auch in
Gegenrichtung benutzungspflichtig bleiben, aber der Weg auf der Brücke über
die Universitätsstraße wird durch deutliche Markierungen zur Fahrbahn
gesichert.
Auf der Wasserstraße entfällt ab Königsallee bis zum Oviedo-Ring weitgehend
die Pflicht zur Radwegbenutzung. Dann wird es richtig schwierig. Im Kreuzungsbereich mit dem Oviedo-Ring gibt es keine zufriedenstellende
Lösung. Weder auf der Fahrbahn, noch auf dem Radweg ist der Radfahrer sicher
zu führen. Das ganze ist eine planerische Katastrophe. Man hat einfach so
getan, als würden alle Radfahrer zu Fuß gehen. Auf der Brücke über das
Wiesental fehlen schlicht mindestens drei Meter Breite um die
Mindeststandards zu erfüllen. Es ist keine Lösung in Sicht. Die gröbsten
Mängel sollen so weit wie möglich repariert werden.
Im weiteren Verlauf bis zur Hattinger Straße hat die Wasserstraße
größtenteils Uralt-Radwege aus den sechziger Jahren in entsprechendem
baulichen Zustand. Außerdem parken die Autofahrer wie die Wilden. Hier
sollen, wo immer die Fahrbahn breit genug ist, möglichst bald
Radfahrstreifen markiert werden, ansonsten bleiben die alten Radwege mit ein
paar Reparaturen. Fahrradfreundlich werden könnte die Wasserstraße nur durch einen kompletten
Umbau mit planerischem Vorrang für Fußgänger und Radfahrer.
Nach der Wasserstraße wurden noch Am Kuhlenkamp, Karl-Friedrich-Straße und
Kemnader Straße besichtigt. Auf der Kemnader Straße entfällt die
Benutzungspflicht für Radwege in Gegenrichtung, teilweise auch in
Fahrrichtung rechts. Ein Benutzungsrecht bleibt in Teilen erhalten.
Zu guter Letzt wurden auf Markstraße zwischen Königsallee und
Universitätsstraße einige Verbesserungen der Sicherheit verabredet ohne die
Radwege insgesamt zu verändern.
Genau wie an den beiden ersten Tagen hat die Verkehrschau im Wesentlichen
gezeigt, wie sehr die Stadt Bochum in den letzten Jahrzehnten ihre
selbstverständlichen  - und gesetzlichen!  Pflichten gegenüber den
radfahrenden Bürgern dieser Stadt vernachlässigt hat. Mit den im Rahmen der Verkehrsschau verabredeten Maßnahmen werden die
schlimmsten Widersprüche zur Straßenverkehrsordnung abgestellt, mehr nicht.
Die eigentliche Aufgabe ist damit erst in den Blick genommen: Bochum muss
fahrradfreundlich werden. Mit einem bloßen Aufnahmeantrag an die AGFS ist es
nicht getan. Es fehlt ein Radverkehrskonzept. Die Politik ist in der
Pflicht.


Mit freundlichen Grüßen
Klaus Kuliga
2. Vorsitzender ADFC Bochum e.V.

Kuliga@adfc-bo.de
(0234) 33 74 13