Betreff: [aktuelles@adfc-bo.de] Rad-Verkehrsschau letzter Teil : Alleestraße/Essener Str. - Kohlenstraße - Höntroper Str. - R27
Von: "Klaus Kuliga" <kkuliga@arcor.de>
Datum: 05.11.2009 17:25
An: aktuelles@adfc-bo.de

Hallo liebe Freunde des Radfahrens in Bochum!
Heute, Donnerstag 5.11.2009,  fand der vierte und letzte Teil der
diesjährigen Rad-Verkehrsschau statt. Auch der vierte Tag wurde  es war schon Tradition  per Rad in Angriff
genommen. Die Temperaturen waren nochmals gesunken und der Regen kam
tatsächlich. Deshalb war dieser Tag früher zu Ende.
Allen Beteiligten aus der Verwaltung der Stadt Bochum gebührt Respekt und
großer Dank für ihr weit überdurchschnittliches Engagement in Sachen
Radverkehr. So eine Verkehrsschau hat es nicht nur in Bochum, sondern wohl
in den meisten Städten überhaupt noch nicht gegeben. Hier ist Bochum Spitze!

An der Alleestraße wurde deutlich, dass der Abschnitt vom ehemaligen
Bochumer Verein bis zur Groß-Kreuzung Wattenscheider Straße / Kohlenstraße
dringend umgebaut gehört. Kurzfristig gibt es keine Lösung. Die Alleestraße
hat in diesem wichtigen Abschnitt zwar eine riesige Breite von mehr als
zwanzig Metern, aber überhaupt keine Radverkehrsanlagen. Die Alleestraße ist
die unverzichtbare Verbindung vom Stadtzentrum über den Westpark in Richtung
Wattenscheid. Diese alternativlose Straße muss auf ganzer Länge bis zum
Donezk-Ring Radfahrstreifen bekommen und das nicht erst in zwanzig Jahren.
Der Kreuzungsbereich mit der Wattenscheider und der Kohlenstraße muss so
gestaltet werden, dass auch Radfahrer problemlos in alle Richtungen abbiegen
können. Nicht trotz, sondern gerade deswegen, weil hier ein außerordentlich
hoher Anteil von Schwerlastverkehr auf der Straße ist und zusätzlich noch
die Straßenbahn.
Die Kohlenstraße ist ein typisches Beispiel für die totale Vernachlässigung
des Radverkehrs in der Verkehrsplanung der letzten Jahrzehnte. So baut man
keine Radwege! Nur der relativ neue Kreisverkehr zur Anbindung an den
Donezk-Ring ist eine löbliche Ausnahme.
Auf der Essener Straße muss man mit den vorhandenen Radwegen leben. Hier
konnten nur Details verbessert werden, wie die Beschilderung der Zu-und
Ausfahrten am ThyssenKrupp Stahlwerk oder  wie so oft - die Versetzung von
Schilderpfosten, die genau in der Fahrlinie der Radfahrer stehen.
In Wattenscheid konnten wir nur die Höntroper Straße in Augenschein nehmen.
Diese Straße hat teilweise Radfahrstreifen bekommen, die aber wegen zu
geringer Breite und fehlendem Sicherheitsraum zu parkenden Fahrzeugen nicht
der StVO entsprechen. Kurzfristig ist keine Abhilfe möglich. Auch die Radwege sind weitgehend nicht in Ordnung. Als Sofortmaßnahme blieb,
wie an so vielen anderen Stellen auch, lediglich die weitgehende Aufhebung
der Benutzungspflicht. Zwischen der Waldorfschule und Eppendorf entfällt auf
dem bis jetzt in beiden Richtungen benutzungspflichtigen Radweg auf der
Nordseite die Benutzungspflicht in beiden Richtungen. Übrig bleibt ein nicht
benutzungspflichtiger anderer Radweg, der auch in Gegenrichtung benutzt
werden darf. Mangelnde Breiten von Gehweg und Radweg und mangelhafte
Sichtbeziehungen an Einmündungen lassen mehr nicht zu. Wer einen nicht
benutzungspflichtigen Radweg benutzt, muss mit erheblichen Einschränkungen
rechnen, die nur eine niedrige Fahrgeschwindigkeit erlauben und an
Kreuzungen und Einmündungen muss er gegebenenfalls bereit sein, sein Fahrrad
zu schieben. Die Messlatte der StVO für Radwege liegt erheblich höher.
Ein Abenteuer für sich war die Erkundung des R27 zwischen Eppendorf und
Essener Straße. Wohl nur Bochum bringt es fertig, einen überregionalen
Radweg auszuschildern, der gar nicht per Rad befahrbar ist und selbst da, wo
es möglich wäre, nicht per Rad befahren werden darf, weil er ausschließlich
als Gehweg ausgewiesen ist. Und das schon seit mehr als zehn Jahren. Bravo,
Bochum! Angeblich soll sich dieser Zustand demnächst ändern, aber der Worte
wurden schon viele gewechselt.

Genau wie an anderen Tagen hat die Verkehrschau im Wesentlichen gezeigt, wie
sehr die Stadt Bochum in den letzten Jahrzehnten ihre selbstverständlichen
- und gesetzlichen!  Pflichten gegenüber den radfahrenden Bürgern dieser
Stadt vernachlässigt hat. Mit den im Rahmen der Verkehrsschau verabredeten Maßnahmen werden die
schlimmsten Widersprüche zur Straßenverkehrsordnung abgestellt, mehr nicht.
Die eigentliche Aufgabe ist damit erst in den Blick genommen: Bochum muss
fahrradfreundlich werden. Mit einem bloßen Aufnahmeantrag an die AGFS ist es
nicht getan. Es fehlt ein Radverkehrskonzept. Es fehlt der politische Wille
zur Veränderung. Die Politik ist in der Pflicht.


Mit freundlichen Grüßen
Klaus Kuliga
2. Vorsitzender ADFC Bochum e.V.

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(0234) 33 74 13