Betreff: [aktuelles@adfc-bo.de] Bochum und Karlsruhe: Politische Farbspiele und die Wittener Straße
Von: "Klaus Kuliga" <kkuliga@arcor.de>
Datum: 05.12.2010 13:30
An: aktuelles@adfc-bo.de

Hallo liebe Freunde des Rad Fahrens in Bochum!
Heute mal eine Nachricht aus einer anderen Welt  zum Vergleich mit dem
heimatlichen Bochum.

Auf der kommunalen Fahrradkonferenz in Karlsruhe passierte Ungewöhnliches.
Die baden-württembergische CDU-Ministerin für Umwelt, Naturschutz und
Verkehr, Tanja Gönner, hatte das Ziel ausgegeben, den Radverkehrsanteil im
bergigen Ländle von derzeit acht Prozent auf 20 Prozent im Jahr 2020 zu
steigern. Bei derartig ehrgeizigen Zielen stand schnell die Frage im Raum,
ob das denn möglich sei, ohne dem Auto zu schaden.
Der Karlsruher Bürgermeister Michael Obert erklärte daraufhin, den rituellen
Aufschrei der organisierten Autofahrer für albern. Schließlich sei der
Autoverkehr fünf Jahrzehnte lang gehätschelt worden.
Das ist wie bei einem verwöhnten reichen Kind, das den Schrank voller
Süßigkeiten hat sagte Bürgermeister Obert. Wenn es dann mal einen Lutscher
an ein armes Kind abgeben muss, heult es sich die Augen aus.
Wohlgemerkt, der Mann ist Mitglied der FDP.
(Michael Adler, editorial, fairkehr 6/2020)
In Bochum findet anlässlich der Neumarkierung von 500 Metern Wittener Straße
ein großer Aufstand dieser verwöhnten reichen Kinder statt und wird von
der SPD völlig ernst genommen. Dabei spielen die Parteien mit vertauschten
Farben. Die Rolle der Karlsruher FDP übernehmen hier die radikalen Ideologen
vom ADFC. Die Bochumer CDU versucht wahrscheinlich gerade, die
Parteifreundin aus Baden-Württemberg ins Nirwana zu exportieren und die
örtliche FDP ist geschlossen beim Psychiater, weil die Welt aus den Fugen
geraten ist.
Der am 2. Dezember vom entscheidenden Ausschuss für Umwelt, Ordnung,
Sicherheit und Verkehr beschlossene Entwurf für die Wittener Straße ist ein
fauler Kompromiss. Einem rein ideologisch begründeten, nur scheinbaren
Vorteil für die Herren Autofahrer wurden die Mindeststandards für den
Radverkehr geopfert.
Die Berechnung der Leistungsfähigkeit in den Spitzenstunden hatte vorher
schon die Note gut ergeben und der neue Entwurf hat nachweislich nichts
verbessert. Für den Radverkehr dagegen hat der neue Entwurf wesentliche
Verschlechterungen erreicht. Das ist der ganze Fortschritt.
Von Radverkehrsanlagen, die die Note gut verdienen, kann  man in Bochum
nur träumen. Die Wittener Straße hat auch nach der Neugestaltung des
Abschnitts zwischen Ferdinandstraße und Lohring in entscheidenden Teilen gar
keine Radverkehrsanlagen. Das ist nicht gut, das ist ungenügend.
Von einem fairen Kompromiss könnte nur die Rede sein, wenn alle vier
Verkehrsarten von Fußgängern über Radfahrer und ÖPNV bis hin zum
motorisierten Individualverkehr denselben Standard erreichen. Wir fordern
gute Radverkehrsanlagen auf der ganzen Wittener Straße.

Liebe Freunde von der SPD, hätschelt nur weiter euer verwöhntes reiches
Lieblingskind. Es kann damit nur abwärts gehen.

Mit freundlichen Grüßen
Klaus Kuliga

Vorsitzender ADFC Bochum e.V.
Kuliga@adfc-bo.de
(0234) 33 74 13