Betreff: [aktuelles@adfc-bo.de] Sind Senioren die Gefahr? Mehr Sicherheit im Straßenverkehr durch Nahmobilität
Von: "Klaus Kuliga" <kkuliga@arcor.de>
Datum: 19.02.2011 09:55
An: aktuelles@adfc-bo.de

Hallo liebe Freunde des Rad Fahrens in Bochum!
Ich habe gerade eine Pressemitteilung herausgeschickt, um die in der WAZ
geführte Debatte um Sicherheit im Straßenverkehr von der gedankenlosen
Fixierung auf den Autoverkehr zu lösen. Hier der Text:

Sind Senioren die Gefahr? Mehr Sicherheit im Straßenverkehr durch
Nahmobilität.

Sehr geehrte Damen und Herren,
der Bericht zur Statistik zur Verkehrssicherheit in Bochum hat die Frage
aufgeworfen, wie das Risiko, im Straßenverkehr schwer verletzt oder gar
getötet zu werden, nachhaltig gesenkt werden kann. Eigenartig scheint an der
Debatte um die Verkehrstauglichkeit von Senioren vor allem eins: Wie
selbstverständlich wird vorausgesetzt, dass sie als Autofahrer unterwegs
sind. Ein mit zahlreichen aufwendigen Sicherheitssystemen hochgerüsteter PKW
ist im innerstädtischen Straßenverkehr tatsächlich ein sicherer
Aufenthaltsort: Am sichersten sind sie [die Senioren] in ihren Autos
(Siegfried Brockmann, Unfallforschung der Versicherer). Tatsächlich gefährdet sind Senioren - und Kinder!  vor allem als Fußgänger
und Radfahrer, wenn sie also nicht im Auto unterwegs sind. Ausnahmslos alle
im vergangenen Jahr im Bochumer Straßenverkehr getöteten Menschen waren als
Fußgänger unterwegs, ausnahmslos alle sind von einem Auto getötet worden.
Mehr Sicherheit in den Städten und ein deutliches Plus an Lebensqualität
entsteht durch weniger und langsameren Autoverkehr und eine Planung, die den
öffentlichen Raum vor allem als Verkehrsraum von Kindern, Senioren und von
Fußgängern und Radfahrern begreift. Die Aufenthalts- und Bewegungsqualität
im menschlichen Maß gemessen, ist entscheidend. Die Mobilitätsbedürfnisse von Senioren und von Kindern sind fast
deckungsgleich: Beide Bevölkerungsgruppen haben einen Bewegungsradius von
etwa fünf Kilometern rund um die Wohnung. Die Aufgabe ist klar: dieses
Umfeld muss so gestaltet sein, dass man dort uneingeschränkt ohne Auto mobil
sein kann und vom Autoverkehr nicht gefährdet wird. Das Konzept heißt
Nahmobilität und ist der Grundgedanke im Leitbild der Arbeitsgemeinschaft
fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW (AGFS). Bochum ist
nicht Mitglied. Man sieht es.
Duisburg hat bereits damit angefangen, vierspurige Hauptverkehrsstraßen in
verkehrsberuhigte Zonen zu verwandeln. Schrittgeschwindigkeit für alle und
gleichberechtigte Fußgänger auf derselben Fläche statt der totalen Dominanz
des Kraftfahrzeugverkehrs. Das Konzept heißt Shared Space. In Bochum
könnte man mit der Kreuzung am Schauspielhaus anfangen. Diese Kreuzung und
die angrenzenden Straßen sind ein Horror für Fußgänger und Radfahrer. Bochum
ist Autostadt? Bochum sollte eine Stadt für Menschen sein. Nebenbei: Bewegung ist Medizin. Wer regelmäßig mit Muskelkraft unterwegs
ist, sei es zu Fuß oder mit dem Rad, bleibt gesund und fit. Autofahren macht
krank. Muskelkraftgetriebene Nahmobilität bedeutet mehr Lebensqualität, mehr
Bewegungsqualität, mehr Mobilitätsqualität und mehr Gesundheit  für alle!
So entsteht eine sichere und lebenswerte Stadt für die Menschen. Umdenken
tut Not.
Mit freundlichen Grüßen
Klaus Kuliga

Vorsitzender ADFC Bochum e.V.
Kuliga@adfc-bo.de
(0234) 33 74 13