Betreff: [aktuelles@adfc-bo.de] Linie 310: Radverkehrsplanung wie in den 70ern
Von: "Klaus Kuliga" <kuliga@online.de>
Datum: 26.05.2011 10:08
An: aktuelles@adfc-bo.de

Hallo liebe Freunde des Rad Fahrens in Bochum!

Am Freitag letzte Woche hat das Anhörungsverfahren zur Verlängerung der
Linie 310 über Langendreer nach Witten begonnen. Am Montag begann die
Erörterung der „privaten“ Eingaben.
Ich hatte im Mai 2009 für den ADFC Bochum einen detaillierten Widerspruch zu
der geplanten Verkehrsführung für Radfahrer formuliert. Im September 2009 folgte die Novellierung der StVO mit deutlicher
Verschärfung der Anforderungen an Radwege. Im Dezember 2010 erscheinen dann die „Empfehlungen für Radverkehrsanlagen“,
(ERA) in neuer Fassung. Dazu kam noch das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zur
Radwegebenutzungspflicht.
All das hat die Stadt Bochum und die Bogestra wenig beeindruckt. Zwei Wochen
vor dem Termin durfte ich die Stellungnahme der Bogestra zu meiner Eingabe
von 2009 in Langendreer abholen. Genauso gut hätte man mir einen Schlag in
die Magengrube verpassen können, so jämmerlich, lustlos und schlampig waren
die Kommentare der Bogestra.
Ich habe das Anhörungsverfahren am Freitag und Montag besucht. Am Montag
wurde der Themenbereich Fahrradverkehr erörtert und ich habe eine sehr
deutliche schriftliche Stellungnahme verlesen, die ich hier als Anhang
beifüge.
Das Publikum, bestehend aus weiteren Einwendern war begeistert, die
Vertreter von Verwaltung und Bogestra auf dem Podium wirkten danach ziemlich
angefressen. Aus dem Publikum gab eine Menge unterstützender Zusatzfragen.
Insbesondere das Thema Schülerverkehr spielte eine große Rolle, es gibt
sechs Schulen im Planungsgebiet.

Die Stadt Bochum hat die Federführung für die Planung an die Bogestra
übertragen, die die Radverkehrsplanung an ein ungenanntes externes
Planungsbüro übertragen hat.
Das Ergebnis ist eine Planung, die in weiten Teilen so aussieht, als stamme
sie aus den autoverrückten 70er Jahren des letzten Jahrhunderts. Die
Sicherheitsanforderungen an Radwege werden nicht im Ansatz erfüllt. Mehr
kann man wohl von der Stadt Bochum nicht erwarten.
Die Standards der ERA 1995 (!) und der StVO-Novelle von 1997 (!) werden
geflissentlich ignoriert, von StVO 2009 und ERA 2010 ganz zu schweigen. Die
Planung soll unbedingt durchgepaukt werden, dass dabei mal wieder die
Radfahrer dran glauben müssen, spielt anscheinend keine Rolle.

Die Bereitschaft, eine fachlich einwandfreie Radverkehrsplanung vorzulegen,
war bei Verwaltung und Bogestra nicht zu erkennen. Man werde allenfalls
Details anpassen.
Ich kann nur hoffen, dass der Regierungspräsident in Arnsberg das anders
sieht.
Mit freundlichen Grüßen
Klaus Kuliga

Vorsitzender ADFC Bochum e.V.
Kuliga@adfc-bo.de
(0234) 33 74 13