Betreff: [aktuelles@adfc-bo.de] Oskar-Hoffmann-Straße: bemerkenswert und vielsagend
Von: Klaus Kuliga
Datum: 22.05.2012 10:22
An: aktuelles@adfc-bo.de

Hallo, liebe Freunde des Rad Fahrens in Bochum,
im Moment laufen die letzten Vorbereitungen für den geplanten Ausbau der Oskar-Hoffmann-Straße zwischen Königsallee und Universitätsstraße und der Universitätsstraße von der Kreuzung mit der Oskar-Hoffmann-Straße stadteinwärts etwa bis zur Haderslebener Straße.

Nach dem momentanen Planungsstand ist das die fahrradfreundlichste Planung, die es jemals in Bochum gegeben hat.
Das gilt ganz besonders für die Kreuzung Universitätsstraße / Oskar-Hoffmann-Straße: So weit ich sehe, wird es zum ersten Mal in der Geschichte Bochums im Kreuzungsbereich in allen Fahrrichtungen eine direkte und geradlinige Führung des Radverkehrs mit Radfahrstreifen geben.
(In anderen Städten ist das längst so selbstverständlich, dass niemand etwas Besonderes daran finden würde.)

Für links abbiegende Radfahrer sind Aufstellflächen zum indirekten Linksabbiegen mit eigenen Lichtsignalen vorgesehen.

Die aktuelle Planung wird am Mittwoch, 30. Mai um 19:00 Uhr im großen Sitzungssaal des Rathauses den Bürgern vorgestellt und erläutert.
Leider zeitgleich gibt es im Kunstmuseum - mit Beteiligung des ADFC - eine Podiumsdiskussion der Freien Bürger Bochum zum Thema "Fahrradstadt Bochum - Zwischen Vision und Illusion".

Beide Veranstaltungen sind für Radfahrer in Bochum sicher von Interesse.

Zum Thema Oskar-Hoffmann-Straße gibt es aber noch eine zweite, höchst bemerkenswerte Vorlage der Verwaltung. Ein Bürger hatte angeregt, die Oskar-Hoffmann-Straße auch gleich noch von der Universitätsstraße bis zum Steinring zu sanieren. Diese 300 Meter Straße sind in der Tat in keinem guten Zustand. Dort macht das Auto fahren keinen Spaß, das Rad fahren aber erst recht nicht. Die Verwaltung hat auf diese Anregung mit einer vielsagenden Stellungnahme geantwortet, die deshalb ich hier wörtlich zitieren möchte:

"Der 320 m lange Abschnitt der Oskar-Hoffmann-Straße von der Universitätsstraße bis zum Steinring hat im Querschnitt eine 7,5m breite Fahrbahn und beidseitig einem 2,5 m bis 3 m breiten Gehweg.
...
Eine Förderung des Straßenausbaus mit Zuschussmitteln von Bund- und Land ist nur durch eine Verbesserung der Verkehrsverhältnisse, z.B. durch Anlegen von Radfahrstreifen, möglich. Hierbei würden aber zum großen Teil die Parkmöglichkeiten am Straßenrand entfallen. Dieses ist in diesem Straßenabschnitt daher nicht sinnvoll. Folglich ist eine Finanzierung nur durch Eigenmittel der Stadt Bochum, im Rahmen des Um- und Ausbauprogramms von Straßen, möglich."

Kurz gefasst sagt die Verwaltung:
Eine Förderung des Straßenausbaus mit Zuschussmitteln ist nur bei einer Verbesserung der Verkehrsverhältnisse möglich. Dieses ist nicht sinnvoll.

Mit anderen Worten: Parken von Autos auf der Fahrbahn hat in Bochum unbedingten Vorrang vor der Sicherheit des Fahrradverkehrs.
Selbst wenn die hoch verschuldete Stadt Bochum mit ihrem Nothaushalt für den fahrradfreundlichen Ausbau Zuschüsse von Bund- und Land bekäme - wegen des Vorrangs für parkende Autos verzichtet Bochum lieber auf das Geld und damit die Sanierung der Straße, als Parkplätze im Fahrbahnraum zu opfern!

Will diese Stadt sich wirklich um die Aufnahme in die AGFS bewerben?

(Nachlesen kann man die Anregung und die Beschlussvorlage 20120834 im Ratsinformationssystem:
https://session.bochum.de/somacos/net/bi/vo0050.php?__kvonr=7050884)

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Mit freundlichen Grüßen
Klaus Kuliga

Vorsitzender ADFC Bochum e.V.
Kuliga@adfc-bo.de
(0234) 33 74 13