Betreff: [aktuelles@adfc-bo.de] Mehr Kampfradler braucht das Land!
Von: Klaus Kuliga
Datum: 07.06.2012 08:55
An: aktuelles@adfc-bo.de

Hallo liebe Freunde des Rad Fahrens in Bochum,

Das Sommerloch ist noch nicht da, aber die Schlacht auf unseren Straßen beherrscht die Schlagzeilen. Die Polizei sieht "das Verantwortungsbewußtsein und die Moral der Fahrer auf dem Tiefpunkt" (Polizeidirektor Günther Overbeck, Dortmund).

Die Rede ist allerdings nicht von Radfahrern, sondern von Autofahrern. Der "Volkssport Unfallflucht" macht der Polizei wirkliche Sorgen - besonders im Ballungsraum Ruhrgebiet. Stark zugenommen hat die Zahl der Fälle, bei denen Menschen verletzt oder sogar getötet wurden. In Essen wurde ein Mann auf dem Nachhauseweg an einem Zebrastreifen überfahren, 25 Meter mitgeschleift und verblutend liegen gelassen. Die Essener Polizei ermittelte sechs Monate, bislang ohne Ergebnis.

Aber nicht nur Autofahrer verhalten sich so. Vor wenigen Tagen wurde in Essen ein fünfjähriges Mädchen von einem Radfahrer - auf dem Gehweg! - überfahren. Der Radfahrer ist über den Brustkorb des Kindes gefahren und hat sich aus dem Staub gemacht, ohne sich um das Opfer zu kümmern. Das Mädchen musste zur stationären Behandlung ins Krankenhaus.

Dem kann man nicht tatenlos zusehen. Wir brauchen mehr Kampfradler - Radfahrer, die sich engagiert für einen menschlichen Verkehr einsetzen. Nahmobilität ist das Stichwort. Mobilität, die auf Muskelkraft basiert und damit das menschliche Maß fest eingebaut hat. Fußgänger und Radfahrer müssen endlich im Mittelpunkt der Verkehrsplanung stehen und die Straßen zuerst aus ihrer Sicht geplant werden.

Noch aber haben die Kampfgeräte der Autofahrer vielerorts Vorrang, auf den Straßen, die sie parkend verstopfen, und in den Köpfen der verantwortlichen Politiker und Verkehrsplaner, die nichts so sehr fürchen, wie den Aufstand der Wutbürger angesichts eines gefährdeten Autostellplatzes im öffentlichen Straßenraum. Legal, illegal, scheißegal, Hauptsache Parkplatz.

In Bochum hat die Verwaltung nach eigener Aussage längst vor den Autofahrern kapituliert. Man geht gar nicht mehr davon aus, gegen das illegale Parken irgendetwas ausrichten zu können. Eingaben wegen Behinderung udn Gefährdung von Radfahrern durch verbotswidriges Parken auf Gehwegen und Radwegen werden abgewiesen: kein Handlungsbedarf. In Wirklichkeit steht die Angat vor dem Konflikt mit den Autobesitzern dahinter. Lieber nimmt man die Gefährdung der Fußgänger und Radfahrer billigend in Kauf.

Selbst wenn Landes- und Bundesmittel zur Verfügung stehen, lehnt eine Stadt wie Bochum einen Bürgerantrag, der eingestandenermaßen eine deutliche Verbesserung der Verkehrssituation zur Folge hätte, ab: Parkplätze auf dem Gehweg und der Fahrbahn wären möglicherweise gefährdet. Da sollen lieber Menschen das Opfer sein, als Autos.

Kampfradler sind gefragt. Radfahrer, sie sich konsequent und mutig für die Belange der Menschen auf den Straßen einsetzen. Kampfradler verteidigen die Menschenrechte, das Grundgesetz und die Straßenverkehrsordnung gegen den Moloch Auto:

(1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.
(2) Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, daß kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.
(StVO §1)

Zum Weiterlesen:
http://www.derwesten.de/politik/immer-mehr-autofahrer-fluechten-nach-unfaellen-id6739723.html
http://www.derwesten.de/staedte/bochum/autofahrer-aus-bochum-wegen-versuchten-mordes-angeklagt-id6737609.html

Beschlussvorlage 20120834 zur Anregung "Sanierung der Oskar-Hoffmann-Straße zwischen Universitätsstraße und Steinring"
https://session.bochum.de/somacos/net/bi/vo0050.php?__kvonr=7050884&search=1


Mit freundlichen Grüßen
Klaus Kuliga

Vorsitzender ADFC Bochum e.V.
Kuliga@adfc-bo.de
(0234) 33 74 13