Betreff: [aktuelles@adfc-bo.de] Mehr Radler als Fußgänger auf der Kortumstraße?
Von: Klaus Kuliga
Datum: 03.08.2012 09:36
An: aktuelles@adfc-bo.de

Hallo liebe Freunde des Rad Fahrens in Bochum,

Am Donnerstag, 2.8., berichtete die WAZ in der Rubrik "Am Telefon notiert" über "Ärger über Radfahrer in der Innenstadt".
Eine Lesering hatte sich - ohne Namensnennung - beschwert, es seien "auf der Kortumstraße inzwischen mehr Radler als Fußgänger unterwegs". Manche rasten rücksichtslos durch die Menge. Die Forderung der Leserin: Jemand muss etwas gegen die Radfahrer unternehmen!

Die WAZ hat ausführliche Recherchen versprochen. Bis jetzt hat sich die WAZ noch selten durch sachkundige Recherchen zu Radverkehr hervorgetan.
Vorsichtshalber habe ich der Redaktion eine Stellungnahme zugeschickt:


Sehr geehrte Damen und Herren,

die Übertreibung kann man schon der Beschwerde entnehmen: Auf der Kortumstraße seien mehr Radfahrer als Fußgänger unterwegs. Wenn das so wäre, gäbe es nur eine logische Konsequenz: die Kortumstraße müsste Fahrradstraße werden.

Die Wirklichkeit sieht anders aus.

"Die" Kortumstraße gibt es gar nicht. Zwischen Museum und Nordring ist sie eine ganz normale Straße. Zwischen Nordring und Brückstraße besteht das Ärgernis darin, dass die Straße seit fast fünfzehn Jahren ohne jede Not für Radfahrer in Gegenrichtung gesperrt ist. Radfahrer sind aber auf diese Verbindung angewiesen, weil die Stadt Bochum sich ganz bewusst entschieden hat, auf dem Nordring keinerlei Radverkehrsanlagen zu bauen. Zwischen Brückstraße und Boulevard ist die Kortumstraße erstmals Fußgängerzone. In diesem wenig attraktiven Bereich sind vereinzelt Radfahrer anzutreffen, gegenüber der beeindruckenden Zahl von LKWs und PKWs in der Fußgängerzone ist das aber kaum ein ernsthaftes Problem.

Zwischen Boulevard und Harmoniestraße ist die Kortumstraße tatsächlich Fußgängerzone, auch wenn die Beschilderung nicht korrekt ist. Radfahrer meiden diesen Bereich, wei klar ist, dass sie nicht dahin gehören. Anders im Bereich Husemannplatz. Hier dürfen Radfahrer unterwegs sein. In Bochum ist die Fußgängerzone im Zentrum seit Jahren teilweise für Radverkehr freigegeben, ohne dass es groß auffiele.

Vom Husemannplatz bis zum Südring sollten aus Rücksicht auf die zahlreichen Fußgänger wieder keine Radfahrer in der Fußgängerzone unterwegs sein.
Vom Südring Richtung Kerkwege ist schon wieder deutlich weniger Fußgängerbetrieb auf der breiten Kortumstraße. Trotzdem sind auch hier kaum Radfahrer anzutreffen.

Anders wird es erst im letzten Abschnitt zwischen Brüderstraße und Konrad-Adenauer-Platz. Hier sind viele Radfahrer in der Fußgängerzone unterwegs. Diese Radfahrer gehorchen der Not. Sie haben keine Alternative. Aber auch hier beeindruckt eher die große Zahl der LKW in der Fußgängerzone als die mehrheitlich sehr unauffälligen Radfahrer. Die Achse Kortumstraße-Brüderstraße wird für den Fahrradverkehr in Bochum dringend gebraucht. Die Viktoriastraße ist aus Radfahrersicht eine einzige Katastrophe - und das unverändert schon seit vierzig Jahren.

Das Problem "Radfahren in Fußgängerzonen" ist schon seit Jahrzehnten gründlich wissenschaftlich untersucht. Das Ergebnis: Die  Empörung ist groß, das Problem ist klein. Radfahrer sind in Fußgängerzonen diejenigen, die die Unfälle vermeiden, weil sie umsichtig und vorausschauend fahren.

Jeder, der Rad fährt, fährt nicht Auto. Das ist in jeder Hinsicht ein Gewinn für diese Stadt - ganz besonders in der City. Absurde Ideen, wie der Ruf nach Zebrastreifen in einer Tempo-20-Zone werden nicht durch zu viel Radverkehr geboren.

Die Frage ist also nicht: Wer tut etwas gegen die Radfahrer, sondern: Wer tut etwas FÜR den Radverkehr in Bochum?


Mit freundlichen Grüßen
Klaus Kuliga

Vorsitzender ADFC Bochum e.V.
Kuliga@adfc-bo.de
(0234) 33 74 13

Diese Stadt muss sich bewegen - am besten mit dem Rad.