Betreff: [aktuelles@adfc-bo.de] Unfallstatistik 2012: Leben Radfahrer gefährlich?
Von: Klaus Kuliga
Datum: 26.01.2013 10:05
An: aktuelles@adfc-bo.de
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Hallo liebe Freunde des Rad Fahrens in Bochum,

die Unfallstatistiken für das Jahr 2012 werden veröffentlicht und zeigen ein widersprüchliches Bild:
In Nordrhein-Westfalen sank die Zahl der Verkehrstoten nach dem Anstieg in 2011 wieder, jedoch starben mehr Radfahrer als im Vorjahr: Nach 59 getöteten Radfahrern im Jahr 2011 stieg die Zahl 2012 auf 81, ein Anstieg um 17 Prozent.

Ist das ein Grund zur Besorgnis? In Österreich stieg die Zahl der getöteten Radfahrer gegenüber dem Vorjahr ebenfalls von 42 auf 50 (+19 %).

Wenn mehr Radfahrer an mehr Tagen im Jahr unterwegs sind, verunglücken auch mehr. Der absolute Anstieg der tödlich Verunglückten muss also kein höheres Risiko für den Einzelnen bedeuten. Ein sonniges und warmes Frühjahr und ein schöner Herbst können die Zahlen stark beeinflussen.

Trotzdem gilt: Jeder Verkehrstote ist ein Toter zu viel. Das Ziel muss bleiben: ZERO. (http://de.wikipedia.org/wiki/Vision_Zero)

Verblüffend ist, dass sich Radfahrer in Bochum anscheinend keine großen Sorgen machen müssen: In Bochum passieren die prozentual wenigsten Unfälle in NRW. Waren im Jahr 2000 noch 1661 Verunglückte (Verletzte und Getötete) in Bochum zu beklagen, so waren es im vergangenen Jahr „nur“ noch 977. „Ein Rückgang von rund 41 Prozent“, sagte Rudi Koriath (Leiter Direktion Verkehr, Polizeibehörde Bochum).

Erklären kann das keiner so richtig. Auch der Leiter der Direktion Verkehr bei der Bochumer Polizei hatte keine griffige Begründung.

2012 verloren sechs Menschen im Bereich der Kreispolizeibehörde ihr Leben, davon fünf in Bochum. 2009 bis 2011 waren es jeweils neun.

* Am 5. Mai stieß ein Auto einen Fußgänger (89) auf einem Parkplatz an der Wittener Straße um, 24 Tage später starb das Opfer.
* Am 5. Mai überquerte ein Fußgänger (73) achtlos die Universitätsstraße. Ein Wohnmobil erfasste ihn.
* Am 7. Mai verunglückte ein Motorradfahrer (18) auf der Straße Op de Veih in Wattenscheid nach dem Vorfahrtfehler einer Autofahrerin.
* Am 10. September wurde ein Fußgänger (83) beim Überqueren der Hattinger Straße in Linden von einem Lkw erfasst.
* Am 14. Oktober raste ein Autofahrer (18) auf der Königsallee in Stiepel alkoholisiert gegen einen Baum.

Auffällig dabei:
* Drei der fünf Toten waren Fußgänger über 70 Jahre, alle wurden von Kraftfahrzeugen getötet.
* Die beiden anderen waren Vertreter klassischer Risikogruppen: Motorrad und Alkohol. Der Motorradfahrer war schuldlos.
* Drei der fünf Unfälle geschahen im Mai, die beiden anderen im Herbst.

Wenn Bochum fahrradfreundlich werden will, wird die Zahl der Radfahrer auf den Straßen ganz erheblich zunehmen. Trotzdem darf es nicht mehr Unfälle geben. Es besteht also erheblicher Handlungsbedarf.

Fahrradfreundlich geht nicht ohne Fußgängerschutz. Das ist die Grundidee von Nahmobilität, wie sie die AGFS vertritt - wo Bochum sich 2013 bewerben wird. Deshalb ist der ADFC Anwalt der Fußgänger, wenn er sich für den Radverkehr stark macht.

Mit freundlichen Grüßen
Klaus Kuliga

Vorsitzender ADFC Bochum e.V.
Kuliga@adfc-bo.de
(0234) 33 74 13

Diese Stadt muss sich bewegen - am besten mit dem Rad.