Unterwegs mit dem Falk Ibex 40. Ein Erfahrungsbericht.

Die Erwartungen an das Gerät sind durch die Versprechen der Werbung festgelegt: Einschalten, Ziel eingeben und den Anweisungen folgen. Das Falk Ibex soll wie ein Navi im Auto funktionieren. Ohne Anschluss an den Computer, ohne vorherige Ausarbeitung der Strecke.

Erstes Hindernis: Das Gerät lässt sich nicht einschalten. Der Akku ist leer, obwohl er nach dem letzten Einsatz voll geladen wurde. Während des Ladevorgangs geht das Gerät beim Abschalten in Stand-By und verbraucht weiterhin Strom. Ganz abschalten lässt sich das Gerät nur, wenn das Ladekabel nicht verbunden ist. Wer nach dem Laden das Abschalten vergisst, hat über kurz oder lang wieder einen leeren Akku.

Das gummierte Gehäuse wirkt klobig. Rund um den gar nicht so großen Bildschirm läuft eine hohe Kante, was die Bedienung per Tochscreen erschwert. Die Adresseingabe erfolgt wie vom Autonavi gewohnt. Es fällt auf, das die wichtigsten Tasten auf dem Bildschirm nicht die auffälligsten sind. Die unauffällige „Weiter“-Schaltfläche muss man erst suchen. Einige ständig eingeblendete Symbole dagegen sind bunt, aber unerklärlich.

Nach der Adresseingabe sind Routingoptionen gefragt. Fahrrad oder Fußgänger? Sportlich (mit Steigungen), einfach oder kurz? Welche Wegtypen sollen vermieden oder bevorzugt werden (Fahrradwege, Wanderwege, Starkes Gefälle, Straßenverkehr, Fähren, Tunnel)?

Die Auswahl der Routing-Optionen ist so verwirrend wie möglich gestaltet. Jede Option ist durch ein Symbol und einen Hinweistext repräsentiert. Das Logo der an sich schon unverständlichen Option „Straßenverkehr bevorzugen“ wird beim Ausschalten durchgestrichen und mit dem Text „Straßenverkehr nicht bevorzugen“ versehen. Diese Option ist jetzt offensichtlich ausgeschaltet, das heißt, es kommt „Nicht Straßenverkehr nicht bevorzugen“ heraus und die Verwirrung ist komplett. Straßenverkehr wird also bevorzugt - was immer das auch heißen mag. Gelobt seien die vertrauten Häkchen vor einer Option, die an zeigen, was eingeschaltet ist und was nicht.

Für Radfahrer sind drei Optionen wichtig: „Fahrradwege bevorzugen“, „Wanderwege verwenden“, „Straßenverkehr bevorzugen“. Die Option „Straßenverkehr bevorzugen“ macht dabei wenig Sinn. Eine Option „Nebenstraßen bevorzugen“ würde Sinn machen. Aber was ist besser: Eine Hauptverkehrsstraße mit Fahrradstreifen oder Nebenstraßen ohne Radverkehrsanlagen? Falk bevorzugt anscheinend immer die kleinste verfügbare Nebenstraße.

Im Handbuch, das nicht mitgeliefert wird, sondern nur per Download zur Verfügung steht, sind die Optionen so erklärt:

Bei den Verkehrswegen haben Sie folgende Möglichkeiten:
Fahrradwege - bevorzugt oder bevorzugt nicht Fahrradwege
Wanderwege - vermeidet oder verwendet Wanderwege
Starkes Gefälle - vermeidet oder verwendet Gefälle über 8%
Straßenverkehr - bevorzugt oder bevorzugt nicht Autostraßen
Fähren - vermeidet oder verwendet Routen mit Fährverbindungen
Tunnel - vermeidet oder verwendet die Routenführung durch Tunnel.

Die Option „Straßenverkehr bevorzugen“ wird auch dadurch nicht klarer. „Autostraßen“ im eigentlichen Sinn sind nur Autobahnen und Kraftfahrzeugstraßen. Die stehen Radfahrern genausowenig zur Verfügung wie Flüsse und Kanäle. Alle anderen Straßen stehen allen Verkehrsteilnehmern zur Verfügung.

Für den Weg von der Bochumer Innenstadt zum Uni-Center in Querenburg (einfach, Radwege bevorzugen, Wanderwege vermeiden, Straßenverkehr nicht bevorzugen) sucht das Gerät eine komplizierte Route über kleinste Nebenstraßen und ignoriert die Radfahrstreifen auf der Universitätsstraße komplett: 6,5 km. 34 min. Die Route des Autonavis führt über die Universitätsstraße, 4,4 km mit dem flachsten Höhenprofil.

Die schematische Kartendarstellung auf dem Bildschirm lässt kaum ahnen, wo der Weg tatsächlich herführen soll. Zuerst zeigt der Bildschirm immer die gesamte Route (Maßstab hier: 1200 m). Erst bei starker Vergrößerung des Kartenausschnitts (ab 300 m) tauchen die ersten Straßennamen auf. Beim Maßstab 120 m oder größer kann man erkennen, über welche Straßen und Wege die Route verläuft.

Bei der Vergrößerung aktiviert man immer wieder versehentlich das Symbol für die Alternativroutenberechnung, das zusammen mit drei weiteren Symbolen am rechten Bildschirmrand ständig eingeblendet bleibt. Das ist lästig.

Bedingt durch Ungenauigkeiten im GPS-Empfang berechnet das Gerät die Route schon im Stand immer wieder neu und gibt wechselnde Fahrtanweisungen. Im Autonavi dagegen rührt sich nichts.

Die Fahrt nach den Navigationsanweisungen wird zum Abenteuer: Das Gerät vermeidet sorgfältig alle größeren Straßen und benutzt eine verwinkelte Route über die kleinsten Nebenstraßen. Dumm nur, dass die Ostermannstraße nicht zur Wasserstraße führt, sondern kurz zuvor an einer Treppe endet. „Wanderwege vermeiden“ ändert daran nichts. Die Grundanforderung, eine mit dem Fahrrad befahrbare Strecke zu finden, erfüllt das Gerät nicht. Auf der Bruchstraße überrascht das Gerät mit der Anweisung „Links abbiegen“ an einer Stelle, an der weder Weg noch Straße vorhanden sind. Die Karte zeigt hier nicht existierende Nebenwege. Im weiteren Verlauf der Strecke wiederholen sich ähnliche Erfahrungen. Am Ende bin ich 8,8 km gefahren und war eine Stunde unterwegs. Dafür lande ich auch nicht an der Querenburger Höhe 143 im Uni-Center, sondern in der Tiefgarage darunter.

Ich habe keine Möglichkeit gefunden, das Gerät zu einer Routenführung über die Universitätsstraße zu überreden.

Zweiter Versuch: Von der Querenburger Höhe zur Markstraße, ein kurzer Weg von zwei Kilometern. Wieder führt mich das Gerät über die kleinsten verfügbaren Wege. Leider liegt eine Fußgängerzone ohne Freigabe für Radfahrer im Weg. Ich erreiche das Ziel auf einem Bogen rund um die Markstraße, an der das Ziel liegt. 500 Meter geradeaus über die Markstraße wären einfacher gewesen.

Dritter Versuch: Von der Markstraße zurück zur Weiherstraße. Straßenverkehr soll bevorzugt werden. Die Route führt wieder nicht über die Fahrradstreifen der Universitätsstraße, sondern über die Nebenstraße „Am Langen Seil“. Dumm nur, dass auch diese Straße an einer Treppe endet, die letztendlich doch auf die Universitätsstraße führt. Aber so bald wie möglich geht es wieder über Nebenstraßen zum Ziel.

Ergebnis: Drei innerstädtische Routen, keine durchgehend befahrbar.

Vierter Versuch: Vom Schauspielhaus zum Haus Weitmar. Als Sonderziel ist dem Falk weder der Schlosspark, noch das Haus Weitmar und auch nicht die Situation Kunst bekannt. Also habe ich das Ziel über die Karte ausgewählt, wo das Haus Weitmar mit einem Symbol dargestellt ist. Die Route führt wieder über kleine und kleinste Nebenstraßen. Sowohl der naturnahe Weg durch das Dürertal als auch die Hauptstrecke des Radverkehrsnetzes NRW werden ignoriert. „Straßenverkehr bevorzugen“ hat offensichtlich keine Wirkung. Das Routing ignoriert die Hattinger Straße auch da, wo sie Radwege hat und das Radverkehrsnetz NRW darüber geführt wird. Auch die Neuberechnung mit der Vorgabe „kurz“ statt einfach ändert daran nichts.

Fünfter Versuch: Von Bochum nach Haltern am See. Die Adresse „Markt“ im Stadtzentrum kennt das Gerät im Gegensatz zu Google leider nicht. Ich muss eine Alternative suchen. Berechnete Strecke: 39 km. Die Strecke führt wieder auf verwinkelten Nebenstraßen zum Ziel. Der direkte Weg über die B51 (RVN NRW) wird nicht benutzt, genausowenig aber auch die landschaftlich sehr reizvolle Strecke über Lothringen-Radweg und R29 mitten durch die Haard.

Sechster Versuch: Von Bochum zum Tetraeder in Bottrop. Für die Auswahl des Sonderziels und die Berechnung der Strecke läßt das Gerät sich Zeit. Ergebnis: 25 km Weg, davon 3,2 km Fahrradwege. Wanderwege werden vermieden, Straßenverkehr nicht bevorzugt. Ergebnis: Die Erzbahntrasse und der Emscherradweg über die Kray-Wanner-Bahn sowie die Wege entlang des Rhein-Herne-Kanals werden komplett ignoriert. In der Karte ist die Erzbahntrasse eingezeichnet, wird aber nicht benutzt. Die Route führt wie üblich über allemöglichen Nebenstraßen zum Ziel, quer durch die Städte des Ruhrgebiets. Auch die Berechnung von Alternativrouten hilft nicht weiter.

Selbst wenn es darum geht, von Bochum aus einen Weg zur Zoom Erlebniswelt in Gelsenkirchen zu berechnen, ignoriert das Gerät hartnäckig die Erzbahntrasse und führt den Radfahrer statt dessen über die Straßen - obwohl der Zoo direkt am Ende der Trasse liegt.

Bei winterlichen Wetterverhältnissen ist der Bildschirm bei maximaler Helligkeit ausreichend lesbar. Die fehlende Entspiegelung des Bildschirms macht sich besonders unangenehm bemerkbar, weil die Karte größtenteils in Grautönen gehalten ist und wenig Kontraste zeigt. Auch die Lautstärke muss auf 100 % eingestellt werden, um die Fahrtanweisungen im Umgebungslärm verstehen zu können. Darunter leidet die Akkulaufzeit. Nach weniger als fünf Stunden ist der Akku leer. Nicht ausreichend für eine Tagestour.

Nach dem Einschalten des Geräts ist die Aufzeichnung von Tracks nicht aktiviert. Die Trackaufzeichnung muss - ganz im Gegensatz zu den gängigen Outdoor-Geräten - jedesmal erst eingeschaltet werden. Auch hier eine Parallele zum Navi im Auto, das ebenfalls in der Regel keine Tracks aufzeichnet. Die Speicherung und Nachbereitung von Tracks am Computer steht bei diesem Gerät nicht im Vordergrund.

Fazit: Das Falk Ibex 40 ist gut geeignet für Leute mit Lust auf Abenteuer und gutem Humor. Wer im Alltagsverkehr einfach nur sein Ziel erreichen will, wird nicht viel Freude daran haben. Auch wer auf der Suche nach der schönsten Strecke für den Wochenendausflug ist, wird nicht fündig.

Positiv bleibt festzuhalten, dass die eingegebenen Adressen tatsächlich gefunden werden und die berechnete Route immer irgendwie zum Ziel führt. Mehr als „irgendwie“ darf man aber nicht erwarten.

Von der Qualität der Routenplanung im Radroutenplaner NRW ist das Gerät weit entfernt. Das Radverkehrsnetz NRW ist ebensowenig integraler Bestandteil des Routings wie die vorhandenen Fernradwege (z.B. Ruhrtalradweg und Emscherradweg) und das Netz der Bahntrassenwege (z.B. Erzbahntrasse, Zollverein-Radweg u.a.). Das Radwegenetz im Ruhrgebiet, wie es die entsprechenden Karten des RVR darstellen, ist wesentlich umfangreicher und abwechslungsreicher als das Falk-Gerät ahnen lässt.

Die Hardware und die Basisausstattung der Falk Ibex Serie ist bei allen Geräten identisch. Ibex 30 und 40 sowie Ibex und Ibex Cross unterscheiden sich nur durch zusätzliche Kartensoftware: Das Ibex 40 wird zusätzlich mit dem Magic Maps Tour Explorer geliefert, die Cross-Modelle sind nicht fürs Gelände gedacht, sondern enthalten zusätzlich die Kartenausstattung fürs Auto.

Neu sind bei Falk die Lux-Geräte mit anderer Hardware, überarbeiteter Software und mehr Funktionen fürs Geocaching. Die erweiterte Tracknavigation kann GPX-Tracks in eine Zielführung auf dem Wegenetz umwandeln. Dadurch wird eine trackbasierte Navigation mit gesprochenen und visuellen Abbiegehinweisen möglich.

Ein erster Testbericht zum Falk Lux, verfasst von GPS-Spezialist Thomas Froitzheim, findet sich beim Radtouren-Magazin.