Vollautomatisch den Hügel hinauf

Pegasus Premio Nu-E mit Nuvinci Harmony
Bild: Pegasus Premio Nu-E mit Nuvinci Harmony

Teil 2: Vollautomatisch den Hügel hinauf

Zu Teil 1: Warum schieben Pedelec-Fahrer ihr Rad den Hügel hinauf?

Pedelec-Fahrer bleiben - trotz Elekromotor - gern an kleinen Steigungen hängen und müssen dann schieben. Eine Lösung für das Problem ist die richtige Schaltung. Nabenschaltungen lassen sich auch im Stand schalten. Also kann man vor dem Anfahren einen beliebig kleinen Gang einlegen und damit auch am Berg gegen die Steigung anfahren. Nach höchstens einer Sekunde arbeitet dann auch der Motor mit und man kann in einem größeren Gang weiterfahren. Das Schalten unter Last am Berg will allerdings gelernt sein und Nabenschaltungen können unter Tretlagerantrieben mit hohen Drehmomenten leiden.

Die Nuvinci-Harmony-Automatikschaltung verspricht seit 2012 die eleganteste Lösung für das Problem: Im Stand schaltet sie auf den kleinsten Gang zurück. So kann man auch am Berg immer leicht anfahren. Und unterwegs fährt man immer im richtigen Gang. Die Automatik sorgt für die Einhaltung der richtigen Trittfrequenz.

Bis jetzt sind Erfahrungsberichte zu dieser Schaltung dünn gesät. Eine Umfrage bei Bochumer Fahrradhändlern ergab, dass Räder mit der Automatikschaltung im Jahr 2012 so gut wie gar nicht angeboten wurden. Das soll sich 2013 ändern, wenn größere Stückzahlen lieferbar sind und mehr Hersteller entsprechende Modelle anbieten. Umso interessanter ist ein Beitrag vom 31.08.2012 im Pedelec-Forum. Der interessante Erfahrungsbericht bezieht sich auf ein Bosch-Pedelec, das nachträglich mit der Nuvinci Harmony Automatikschaltung ausgerüstet wurde.

Das Video zu dem Beitrag ist auch auf YouTube zu sehen:
YouTube: KTM Macina 29 Bosch mit Nuvinci N360 Harmony

Der stolze Besitzer „Flymigi“ schreibt dort: „Um das ganze zu perfektionieren ließ ich mir nach ca. 2 Monaten das Rad von der ab Werk montierten Shimano Alfine 11 auf die Fallbrook Nuvinci N360 Nabe umrüsten. Ein völlig neues Fahrgefühl, kein unpassender Gang mehr, kein Krachen wenn man den Druck mal wirklich nicht vollständig aus dem Pedal genommen hatte. Mir als Kettenschaltungsfan fiel das anfangs auch nicht gerade leicht, deshalb kam mir die neue Nabe schon damit entgegen das man sogar unter Vollast schalten kann, was ja selbst bei den besten Kettenschaltungen zu lautstarker Rückmeldung führt.
Nach weiteren 4 Wochen konnte mein Händler mir dann die Nuvinci vom manuellen Drehgriff auf elektronische Regelung (Harmony) umbauen, was auch noch den Vorteil mit sich brachte, das man seine eigene Kadenz (Trittfrequenz) im Automatikmodus per Drehregler einstellt und diese dann auch konstant über die gesamte Bandbreite des stufenlosen Getriebes gehalten wird. Die Nabe ist nun 2000 km gelaufen und hat noch keinerlei Schwächen gezeigt. Ich bin damit sehr zufrieden und würde es jederzeit wieder tun.“

Selbst beim vollen Beschleunigen, wenn dazu noch der Bosch-Antrieb in der höchsten Stufe läuft, weicht die Trittfrequenz nach Erfahrung von „Migi“ nie mehr als 2 Umdrehungen von der voreingestellten Frequenz ab. Der Stromverbrauch der elektrisch gesteuerten Schaltung entspricht mit 2-4 Watt etwa dem der Beleuchtung.

Nach seiner Auskunft gibt es die Nuvinci Harmony bisher nicht als komplett eingespeichtes Rad zu kaufen, sondern nur einzeln. Die Nabe kostet etwa 350 Euro und die Automatik Harmony zusätzlich etwa 200 Euro. Das Bedienteil gibt es in einer einfacheren Ausführung mit drei Trittfrequenzen (langsam, mittel und schnell) und einer Advanced-Ausführung, die die stufenlose Einstellung der Trittfrequenz erlaubt. Es gibt mittlerweile Händler, die sich auf die Umrüstung spezialisert haben. Die Übersetzung blieb mit 42er Kettenblatt und 22er Ritzel am Rad fast die gleiche wie bei der ursprünglich verbauten Alfine 11-Gang. Der kleinste Gang wurde etwas kürzer, der schnellste Gang fiel weg.

2012 hatten vier E-Bike-Marken die NuVinci Harmony im Angebot, die beiden ZEG-Hausmarken Pegasus und Zemo, sowie Simpel und TDR. 2013 werden es voraussichtlich 15 Marken sein: Feldmeier, Gepida, Göricke, Hercules, Kalkhoff, KTM, Moustache, Panther, Raleigh, Riese & Müller und Stevens kommen dazu. Ein Beispiel für ein Komplettrad mit der Automatikschaltung ist das seit Mai 2012 lieferbare Pegasus Premio Nu-E für ca. 2300 €.

Kalkhoff hat noch einen drauf gesetzt und im September 2012 eine Weltneuheit vorgestellt: Das "Impulse Ergo NuVinci Harmony" hat nicht nur die Automatiknabe, sondern steuert die Motorunterstützung zusätzlich abhängig von der Pulsfrequenz des Fahrers. Zu Beginn wird die Wunschbelastung eingestellt. Ein kabelloser Brustgurt misst den Pulsschlag während der Fahrt. Sinkt der Puls unter die definierte Grenze, lässt der E-Bike-Antrieb nach und der Fahrer muss sich stärker anstrengen. Wird die Maximalfrequenz erreicht, unterstützt der Motor stärker. Das Pedelec ist für Herzpatienten gedacht, die zwar Sport treiben sollen, sich aber nicht zu stark belasten dürfen. Kalkhoff kombiniert diese Steuerung mit der stufenlosen Automatikschaltung NuVinci-Harmony. Sie hat sich in Tests an der Universität Erlangen-Nürnberg als ideale Ergänzung für die pulsgesteuerte Unterstützung herausgestellt. Das Rad verfügt über ein Display mit Pulsanzeige und Schiebehilfe. Es soll ca. 3000 €kosten.

Mehr zum Kalkhoff Impulse Ergo NuVinci Harmony

Der komplette Beitrag von „Migi“mit allen Fragen und Antworten:
Pedelec-Forum: KTM Macina 29 mit Nuvinci Harmony

Zu Teil 1: Warum schieben Pedelec-Fahrer ihr Rad den Hügel hinauf?