Warum schieben Pedelec-Fahrer ihr Rad den Hügel hinauf?

Pegasus Premio Nu-E mit Nuvinci Harmony
Bild: Pegasus Premio Nu-E mit Nuvinci Harmony

Teil 1: Warum schieben Pedelec-Fahrer ihr Rad den Hügel hinauf?

Zu Teil 2: Erfahrungen mit der Nuvinci-Harmony und die Pulssteuerung für Herzpatienten

Wer auf Radtouren Gelegenheit hat, Pedelec-Fahrer in der freien Wildbahn zu sehen, macht nach kurzer Zeit zwei herausragende Beobachtungen:

1. Pedelec-Fahrer fallen häufig durch eine extrem niedrige Trittfrequenz auf.
2. Pedelec-Fahrer bleiben - trotz Elekromotor - gern an kleinen Steigungen hängen und müssen dann schieben.

Auch ein geübter Tourenfahrer bringt auf Dauer kaum mehr als 100 Watt aufs Pedal. Wie kann es dann sein, dass ein Pedelec-Fahrer trotz 250-Watt-Motor sein Rad den Hügel hinauf schieben muss?

Ein Pedelec-Motor ist auf eine Dauerleistung von 250 Watt begrenzt. Die Spitzenleistung liegt noch einmal wesentlich höher. Der Motor kann also etwa die dreifache Leistung eines geübten Freizeitsportlers abgeben. Trotzdem gelingt das Anfahren am Berg nicht. Die Ursache ist das verzögerte Einschalten des Motorantriebs, der Motor darf nur als Unterstützung laufen. Am Berg muss der Fahrer das Pedelec also mit purer Muskelkraft in Bewegung setzen und erst dann übernimmt der Motor die Hauptarbeit. Es geht hier bei einem guten Pedelec um eine Sekunde oder weniger, aber diese Schwelle muss der Fahrer ohne Unterstützung selbst überwinden. Das erfordert Kraft.

Es gibt drei Lösungen für das Problem:

1. Schiebehilfe.
Ein Pedelec mit Schiebehilfe fährt auf Tastendruck selbständig, ohne Tretarbeit, bis zu 6 km/h schnell. Mit Schiebehilfe kann man also mühelos am Berg anfahren.

2. Bergab fahren.
Kettenschaltungsfahrer kennen den Trick schon lange. Wenn am Berg ein zu großer Gang eingelegt ist, kann man nicht anfahren und auch nicht schalten, weil das Rad dazu in Bewegung sein müsste. Also lässt man des Rad einige Meter bergab rollen, um in einen kleinen Gang zu schalten und fährt erst dann bergauf.

3. Im kleinen Gang anfahren.
Nabenschaltungen lassen sich auch im Stand schalten. Also kann man vor dem Anfahren einen beliebig kleinen Gang einlegen und damit auch am Berg gegen die Steigung anfahren. Nach höchstens einer Sekunde arbeitet dann auch der Motor mit und man kann in einen größeren Gang schalten. Das Schalten unter Last am Berg will allerdings gelernt sein.

Wie man sieht, hängen die beiden Eigenarten vieler Pedelec-Fahrer eng zusammen: Niedrige Trittfrequenz bedeutet: Dicker Gang. Und der sorgt für das Stehenbleiben am Berg. Anfahren und Beschleunigen in einem großen Gang erfordert extrem viel Kraft. Wer nicht im Stand und unter Last schalten kann, hat jetzt verloren. Wer schon in der Ebene mit niedriger Trittfrequenz unterwegs ist, hat bei einer überraschenden Steigung keine Reserven und bleibt stehen.

Nabenschaltungen können von Tretlagerantrieben mit hohen Drehmomenten in dieser Situation unter Umständen überbeansprucht werden. Deshalb hat Bosch nach Angaben von Kreidler 2012 die stärkeren Unterstützungsstufen in Kombination mit Nabenschaltungen teilweise reduziert. Zum Beispiel im Modus SPEED:
Kettenschaltung:90%160%250%
Nabenschaltung:90%140%200%
(http://www.kreidler-ebike.de/#reichweite)

Die Rohloff Nabenschaltung, die Nuvinci-Nabe und die SRAM Dual Drive vertragen wohl aber die volle Kraft des Bosch-Antriebs.

Alternative: Automatikschaltung

Die Nuvinci-Harmony-Automatik verspricht seit 2012 eine elegante Lösung für das Problem: Im Stand schaltet sie auf den kleinsten Gang zurück. So kann man auch am Berg immer leicht anfahren. Und unterwegs fährt man immer im richtigen Gang.

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