Herner Straße / A 43: So nicht!

Pressemitteilung des ADFC Bochum e.V.

Herner Straße / A 43: Der Teufel steckt im Detail.

Eine Woche nach vielen schönen Worten auf dem Symposium "Radfahren in Bochum, aber sicher" gibt Bochum eine Kreuzung für den Verkehr frei, die vor allem eins zeigt: wie man es nicht machen darf.

Radfahrer müssen hier auf wenigen Metern vier Ampeln beachten, von denen jede einzeln geschaltet ist. Das zwingt die Radfahrer zum Stopp and Go mit langen Wartephasen dazwischen, während Autofahrer freie Fahrt haben.
Die langen Wartezeiten führen dazu, dass Radfahrer vermehrt bei Rot fahren. Kommt es dann zu einem Unfall, gibt die Polizei dem Radfahrer die Schuld. So wird das Opfer in der Unfallstatistik zum Täter.

Die Straßenverkehrsordnung schreibt vor:
"Die Verkehrsregelung an Kreuzungen und Einmündungen soll so sein, dass es für den Verkehrsteilnehmer möglichst einfach ist, sich richtig zu verhalten. Es dient der Sicherheit, wenn die Regelung dem natürlichen Verhalten des Verkehrsteilnehmers entspricht."

Diese elementare Bedingung wird hier mit Füßen getreten.

Die Straßenverkehrsordnung sagt weiter:
"Die Flüssigkeit des Verkehrs ist mit den zur Verfügung stehenden Mitteln zu erhalten. Dabei geht die Verkehrssicherheit aller Verkehrsteilnehmer der Flüssigkeit des Verkehrs vor."

Diese Anforderung wird an der Herner Straße nicht erfüllt. Die Flüssigkeit des Radverkehrs ist nicht gegeben. Gleichzeitig wird die Verkehrssicherheit des Radverkehrs eingeschränkt. Sind Flüssigkeit und Verkehrssicherheit des Radverkehrs ungenügend, ist die gesamte Kreuzung ungenügend. Eine Kette ist nur so stark, wie ihr schwächstes Glied.

Neben den Radfahrern sind auch die Fußgänger Opfer der ungenügenden Planung.
Die StVO sagt:
"Benutzungspflichtige Radwege dürfen nur angeordnet werden, wenn ausreichende Flächen für den Fußgängerverkehr zur Verfügung stehen."

Diese Bedingung ist nicht erfüllt. Insbesondere in Fahrtrichtung Bochum ist unter der Autobahnbrücke die Breite des Gehwegs ungenügend.

Auf dem Bochumer Symposium hat Herr Kaulen an einem Aachener Beispiel gezeigt, wie man Kreuzungen fahrradfreundlich gestaltet. Eine Woche später eröffnet die Stadt Bochum eine Kreuzung, die man gleich wieder umbauen muss.

Die Kreuzung an der Herner Straße atmet den Geist der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts, nur hübscher dekoriert, und träumt immer noch den Traum von der autogerechten Stadt. So kann sich Bochum nicht bei der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte (AGFS) bewerben.

Es besteht Handlungsbedarf.

P.S.:
Wir haben einen Test gemacht, den wir vor zwanzig Jahren auch schon an der Kreuzung Königsallee / Nordhausenring gemacht haben: den Zeitvergleich Fahrbahn gegen Radweg. Herr Dipl.-Ing. Kaulen vom Stadt- und Verkehrsplanungsbüro Aachen hat diesen Test auf dem Symposium in Bochum als wichtiges Kriterium für die Frage nach der Fahrradfreundlichkeit einer Kreuzung benannt und die Werte für eine Aachener Kreuzung angeführt, die er umzugestalten hatte.

Hier die Werte für den Kreuzungsbereich Herner Straße / A 43:
Fahrtrichtung Herne

Fahrbahn: 30 sec.
Radweg: 240 sec.
Fahrtrichtung Bochum
Fahrbahn: 40 sec.
Radweg: 200 sec.

Bei diesem Test hat sich herausgestellt, dass Radfahrer in beiden Fahrtrichtungen an der jeweils letzten Ampel überhaupt kein Grün bekommen, wenn sie sich nicht zum Fußgänger degradieren und deren Anforderungsknopf betätigen. Das ist so unglaublich, dass man es schlicht nicht für möglich hält.

Ein fahrradfreundliches Bochum ist nicht einmal am Horizont erkennbar. Bochum träumt weiter den alten Traum von der autogerechten Stadt.