Wittener Straße: Bochum muss Farbe bekennen.
Eine Nachricht aus einer anderen Welt - Kommentar zur Beschlussfassung Wittener Straße.
Zitat:
"Auf der kommunalen Fahrradkonferenz in Karlsruhe passierte Ungewöhnliches.
Die baden-württembergische CDU-Ministerin für Umwelt, Naturschutz und Verkehr, Tanja Gönner, hatte das Ziel ausgegeben, den Radverkehrsanteil im bergigen Ländle von derzeit acht Prozent auf 20 Prozent im Jahr 2020 zu steigern. Bei derartig ehrgeizigen Zielen stand schnell die Frage im Raum, ob das denn möglich sei, ohne dem Auto zu schaden.
Der Karlsruher Bürgermeister Michael Obert erklärte daraufhin, den rituellen Aufschrei der organisierten Autofahrer für albern. Schließlich sei der Autoverkehr fünf Jahrzehnte lang gehätschelt worden.
,Das ist wie bei einem verwöhnten reichen Kind, das den Schrank voller Süßigkeiten hat' sagte Bürgermeister Obert. ,Wenn es dann mal einen Lutscher an ein armes Kind abgeben muss, heult es sich die Augen aus.'
Wohlgemerkt, der Mann ist Mitglied der FDP." (Michael Adler, editorial, fairkehr 6/2020)
In Bochum findet anlässlich der Neumarkierung von 500 Metern Wittener Straße ein großer Aufstand dieser "verwöhnten reichen Kinder" statt und wird von der SPD völlig ernst genommen. Dabei spielen die Parteien mit vertauschten Farben. Die Rolle der Karlsruher FDP übernehmen hier die radikalen Ideologen vom ADFC. Die Bochumer CDU versucht wahrscheinlich gerade, die Parteifreundin aus Baden-Württemberg ins Nirwana zu exportieren und die örtliche FDP ist geschlossen beim Psychiater, weil die Welt aus den Fugen geraten ist.
Der am 2. Dezember vom entscheidenden Ausschuss für Umwelt, Ordnung, Sicherheit und Verkehr beschlossene Entwurf für die Wittener Straße ist ein fauler Kompromiss. Einem rein ideologisch begründeten, nur scheinbaren Vorteil für die Herren Autofahrer wurden die Mindeststandards für den Radverkehr geopfert.
Die Berechnung der Leistungsfähigkeit in den Spitzenstunden hatte vorher schon die Note "gut" ergeben und der neue Entwurf hat nachweislich nichts verbessert. Für den Radverkehr dagegen hat der neue Entwurf wesentliche Verschlechterungen erreicht. Das ist der ganze Fortschritt.
Von Radverkehrsanlagen, die die Note "gut" verdienen, kann man in Bochum nur träumen. Die Wittener Straße hat auch nach der Neugestaltung des Abschnitts zwischen Ferdinandstraße und Lohring in entscheidenden Teilen gar keine Radverkehrsanlagen. Das ist nicht "gut", das ist ungenügend.
Von einem fairen Kompromiss könnte nur die Rede sein, wenn alle vier Verkehrsarten von Fußgängern über Radfahrer und ÖPNV bis hin zum motorisierten Individualverkehr denselben Standard erreichen. Wir fordern "gute" Radverkehrsanlagen auf der ganzen Wittener Straße.
Liebe Freunde von der SPD, hätschelt nur weiter euer verwöhntes reiches Lieblingskind. Es kann damit nur abwärts gehen.
Klaus Kuliga