Vorbereitung einer Radreise
Die Entscheidung den Urlaub „aktiv“ auf dem Fahrrad zu verbringen bedarf einer guten, teils auch sehr intensiven Vorbereitung – Nicht nur des Körpers, auch mental und materialmässig.
Eine gute Planung verhilft zu guten Erlebnissen sowie auch zu weniger Problemen.
Dieser Artikel soll Neulinge zur ersten Tour animieren, Ängste vor den noch unbekannten Vorbereitungen abzubauen helfen und auch „alten Hasen“ noch ein paar Tips geben.
Zuerst sollten Sie sich aber zur Vorbereitung, auf das große Abenteuer, fragen „Warum will ich überhaupt mit dem Velo on Tour gehen?“ „Suche ich Erholung, einen Ausgleich zum stressigen Job, will ich was für meinen Körper und meine Gesundheit tun, oder will ich einfach mal was neues ausprobieren und dabei evtl. sogar Abenteuer erleben?“ – Alles ist möglich, wenn man nur den Willen dazu hat!
Nach der Beantwortung dieser Frage für sich selbst kann es mit der Vorplanung losgehen:
Wieviel Zeit habe ich bzw. wie lange möchte ich verreisen?
Welche Jahreszeit eignet sich am besten?
Wohin soll es (grundsätzlich) gehen? Ins Ausland oder innerhalb Deutschlands?
Soll es was selbstorganisiertes oder eine Tour eines professionellen / kommerziellen Anbieters sein?
Was für eine Art der Tour traue ich mir selber konditionell zu (Etappenlänge ⇒ Genussradtour oder die eigenen Grenzen austesten ..., Art der Topographie des Reiseziels ⇒ Gebirge, Wüste, Flachland, Steppe, Tundra, Taiga, Tropen, Polargebiete...
Was erwarte ich kulturell von der Tour ⇒hin und wieder mal eine Sehenswürdigkeit oder eine Studienreise oder nur reines Rad fahren?
Alleine los oder mit dem / der PartnerIn oder mit Freunden / Bekannten, oder zusammen mit Gleichgesinnten die man sich selber mittels Reisepartnersuchanzeigen gesucht hat ?
Wie / wo möchte ich übernachten ⇒ Hotel mit 0 – 6 Sternen, Pension, Jugendherberge o.ä., Zelten – auf dem Campingplatz oder wild?
Was für ein Rad habe ich / brauche ich für meine (erste) Radreise?
Wie gedenke ich mich zu ernähren unterwegs? 4 Sterne-Restaurant, Pommes Bude oder selbstgebrutzelt auf dem Lagerfeuer bzw. Kocher?
Muss ich mich irgendwie körperlich besonders vorbereiten? Impfungen, Ernährung bzw. medizinische Untersuchungen.
Was brauche ich an Ausrüstungsgegenständen (eine vollständige Liste ist abhängig von der jeweiligen Tour bzw. von den eigenen Bedürfnissen)?
Hier nun auch ein paar Antworten zu den obigen Fragen:
Die Zeit bzw. der Zeitraum: Für eine Radtour sollte es weder zu kalt sein noch zu heiss, die idealen Temperaturen liegen zum Touren fahren zwischen 15 und 30°C, im Norden Europas kann es aber auch im Sommer schneien oder aber auch mal 35°C haben, sowie in der Wüste nachts Temperaturen unter 0°C... daher ist es wichtig sich über das Klima am Reiseziel vorweg zu informieren . – z.B. bei >> www.wetteronline.de <<
Die ideale Jahreszeit ist ebenfalls zu bedenken, südlich des Äquators liegt der Sommer in der Zeit in dem wir Winter haben – in Neuseeland ist zwischen Mitte Dezember bis Ende Januar / Mitte Februar Hochsaison, Hauptreisezeit bedeutet aber auch immer höhere Preise und das mehr Reisende unterwegs sind, wer in der Wahl des Termins unabhängig ist hat hier natürlich die besseren Karten...
Was für einem selber das „ideale“ Klima ist, muss allerdings jeder für sich selber entscheiden.
Reiseziel: In fast jedem Land auf unserem Planeten, gibt es inzwischen die Möglichkeit Radtouren zu machen, die nicht unbedingt den Charakter einer Expedition haben. Aber je nach Land bzw. Landschaft sollten schon gewisse (Radreise-)Erfahrungen vorhanden sein, auch ist nicht jeder Landstrich eines jeden Geschmack, abraten kann man momentan zu 100% nur zu besonders „unruhigen“ Gegenden rund um den nahen Osten, aktuelle Infos gibt’s u.a. vom Auswärtigen Amt. Auch der ehemalige Ostblock ist inzwischen mit dem Rad individuell bereisbar.
Ich selber habe bereits mehrere Radtouren u.a. in der Ukraine, Rumänien und auch in Russland durchgeführt – bin auf Anfrage gerne bereit nähere Infos weiterzugeben .
Es hängt vom kulturellen und anderen eigenen Vorlieben / Komfortansprüchen ab welches Reiseziel es denn sein soll...
Reiseführer + Sprachführer: Ein paar Worte in der Landessprache zeigen, das man sich für das Land wirklich interessiert, Reisemagazine, Reiseberichte (auch im Internet z.B. unter www.reiseberichte.com) sowie auch spezielle Literatur zum Thema Radreisen im Land der Wahl gibt’s im Buchhandel. Landkarten (im Maßstab zwischen 1:50.000 – 1:1.000.000, ideal ist ca. 1:100.000 – 1:300.000) auch sind vielfach spezielle Karten für Radler ebenfalls erhältlich.
Da auch die Tourismusindustrie das Potential des Fahrradtourismus inzwischen erkannt hat, gibt es seit ein paar Jahren auch immer mehr Infos von den Fremdenverkehrsbüros, auch von den ausländischen Zielen. Die besten Infos erhält man aber meist von anderen Reiseradlern, z.B. unter >>www.rad-forum.de << , ein spezielles Forum für Langstrecken + Fernreiseradler.
Gebucht oder doch was selber organisieren / planen ? Solo oder?
Wer nicht die Lust / Zeit hat oder auch sich nicht traut selber alles zu planen, wer gerne „geführt“ werden will, gerne auch in (größeren) Gruppen unterwegs ist der hat, je nach Reiseziel, eine recht große Auswahl an Veranstaltern.
Nachteil einer „gekauften“ Reise ist aber das man während der Fahrt sich an das Programm halten muss (was manch einer auch als Vorteil ansehen mag...) dafür aber im Notfall aber auch (geschultes) Personal hinter sich weiß. Genau andersrum verhält es sich bei einer privat / selber durchgeführten Fahrt. Der Radler ist unabhängig (mal von den Fahrzeiten diverser Beförderungsmittel abgesehen), kann selber entscheiden was für Etappen er fahren möchte, Pausen selber gestalten, anhalten wo und wann er / sie will, Kontakte zur einheimischen Bevölkerung sind auch schneller geknüpft usw. Dies kann aber wiederum im Falle eines Falles ebenso nachteilig sein, da man hier sich allein bzw. zusammen mit den Begleitern um alle Probleme kümmern muss.
Hierbei taucht natürlich auch die Frage auf: „Reise ich alleine oder mit meinem Partner oder suche ich mir jemanden?“ Letzteres können Radler aus dem Freundes- / Bekanntenkreis sein oder jemand anders, den man über eine Reisepartnersuchanzeige gefunden hat.
Ein vorheriges kennenlernen und absprechen der gegenseitigen Vorstellungen, während einer (mehrtägigen) Probetour sollte hierbei unbedingt vorher stattfinden – z.b. während einer kleinen Vortour. Da gerade auf einer längeren Reise sehr leicht Unstimmigkeiten auftreten können die dann u.U. zum Abbruch der Tour bzw. unterwegs zur Absplittung Einzelner führen könnten.
Gerade bei einer Gruppe entstehen sehr schnell Diskrepanzen über das Essen, die Fahrweise, die Pausen, das Kulturbedürfnis...
Ein frühzeitiges darüber sprechen ist hier das Beste.
Je nach Art der Tour und des Zieles sowie der eigenen Ansprüche / Geldbeutel gibt es diverse Varianten des Übernachtens, angefangen beim Schlafen auf der Parkbank oder unter einer Brücke, im Aldizelt oder im Leichtgewichtssuperedelexpeditionszelt wild „inne Pampa“ oder auf einem Campingplatz, in der Jugendherberge (mittlerweile auch in D sehr komfortabel!), im Hotel / Pension oder auf einem Bauernhof.
Der Möglichkeiten gibt’s da viele, z.B. in Osteuropa aber ist ein Zelt vielfach unabdingbar.
Auch der (eigene bzw. geliehene) fahrbare Untersatz sollte entsprechend zur Tour UND zu einem selber passen – es soll ja schliesslich Spass machen – oder nicht?
Ob MTB oder auch ReiseMTB – gefedert / teilgefedert / ungefedert, Reiserad, Trekkingrad, Liegerad, Tandem oder Einrad, an Radtypen gibt’s da für jeden was im Fachhandel...
Entsprechend der Route und der Strassenverhältnisse sollte Qualität und Stabilität grundsätzlich vor Gewicht stehen – was wiederum nicht unbedingt auch teurer sein muss.
An der Wahl des Sattels und ebenso beim Thema Lenkertyp scheiden sich allerdings immer wieder die Geister, ob Ledersattel (langlebig aber hart auf den ersten (1000) km oder Kunststoff (mit Geleinlage) oder das Edelgestell – Modell „Dachlatte mit Titanstreben“ ist im wahrsten Sinne des Wortes „Erfahrungssache“...
Meinen jetzigen Ledersattel fahre ich nun schon seit rund 15.000 km – ohne Beschwerden.
Zur Technik gehört aber auch die Handhabung dieser jenigen welchen – ein wenig Geschick und ein gewisses Mass an technischen Verständniss sollte auf jedenfall mit auf Tour gehen.
Ebenso wie entsprechendes (Klein-)Werkzeug und ein paar Ersatzteile wie z.B. ein Schlauch, Flickzeug, Schrauben, evtl. Bowdenzüge, passende Speichen incl. Nippel etc. Bei Touren in weniger zivilisierte Gebiete (ohne Möglichkeit entsprechende Ersatzteile, im Notfall, nachzukaufen) braucht es auch etwas mehr Improvisationsknowhow, Werkzeug und Ersatzteile wie z.B. einen Faltmantel.
Als Gepäcktaschen sind wasserdichte Modelle eigentlich schon Standard, erhältlich sind Taschen für den Lowrider (Frontgepäckträger), Lenkertasche (für die Fotoausrüstung sowie alle wichtigeren Unterlagen), Kartentaschen, Taschen für unter dem Sattel, Packsäcke und natürlich auch Taschen für den hinteren Träger.
Da alles was eingepackt ist, auch fortbewegt werden will (vor allem bergauf), ist sparen, verzichten und zuhause lassen mit das oberste Gebot. Das Gesamtgewicht sollte alles zusammen die 30 kg möglichst nicht überschreiten (incl. Zelt, Kochausrüstung und bei Bedarf „Notverpflegung“ für 2-3 Tage).
Nicht überschritten werden sollte das maximal zulässige Gesamtgewicht (lt. Hersteller) des Rades!
Wichtig ist unterwegs die Versorgung mit ausreichend Flüssigkeit und nahrhafter Kost.
Auch auf dem (Benzin bzw. Gas- oder Spiritus-)Kocher oder auf dem Lagerfeuer lassen sich mit nur geringen Aufwand 2-3 gängige Menüs zaubern – selbst Pizza, Brot oder auch Popcorn ist möglich.
Dies mag sich jetzt erst einmal nach viel zu vielen Fragen und noch mehr nicht zu bewältigenden Problemen anhören, aber wer nicht wagt...
Der ADFC gibt auch gerne Antworten, persönlich, telefonisch, per Mail oder während einer der zahlreichen (Tages-)Radtouren.
Auch entsprechende Literatur können wir ihnen empfehlen, nur mal fragen ... es kost auch nix!
Rahmen und Speichenbruch on tour wünsch ich Ihnen allen!
Kontakt: Markus Müller, ADFC Bochum, Kontakt: mueller äd adfc-bo.de, März 2007